Perlen im Sand

20.02.2013
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Täglich lese ich eine Unzahl von Ernährungsstudien. Von dem Zusammenhang zwischen unserem Essen und Krebs. Und erschrecke regelmäßig über die generelle Schlampigkeit dieser Studien. Beispiel gefällig?

Da gibt es die Iowa Women's Health Study. Publiziert in Am. J. Epidemiol. 1996;144:165. Die Frage war, ob Frauen, die mehr Obst und Gemüse gegessen haben, dadurch ihr Brustkrebsrisiko verminderten. Tatsächlich wurden immerhin 35 000 Frauen in der Menopause befragt. Befragt? Die durften ein einziges Mal einen Fragebogen ausfüllen und ihre Ernährungsgewohnheiten notieren. Dann hat man - ein durchaus übliches Verfahren - in Tabellen nachgeschlagen und ausgerechnet, wie viel Vitamine die zu sich genommen haben. Hat stillschweigend vorausgesetzt, dass die sich die nächsten sechs Jahre daran exakt gehalten hatten und nach sechs Jahren die Brustkrebsfälle gezählt. Natürlich ein unmögliches Verfahren.

Ergebnis war, das das Brustkrebsrisiko unabhängig war davon, ob - laut einer einzigen Befragung - mehr oder weniger Obst und Gemüse, mehr oder weniger Vitamin A, Vitamin C, Vitamin C, Retinol oder Carotinoide gegessen wurden.

Nenne ich eine Schrottstudie.

Aber die Perle darin! Man hat eben noch eine Frage gestellt. Nämlich: Nehmen Sie Vitaminkapseln? Und wenn hier jemand ja antwortet, würde auch ich eher annehmen, dass es dies wohl regelmäßig über Jahre tut. Das beinah entzückende Ergebnis war, dass Frauen mit

  • mindestens 500 mg Vit C pro Tag
    21 Prozent weniger Brustkrebs
  • mehr als 10 000 I.E. Vit A pro Tag
    27 Prozent weniger Brustkrebs...

hatten. Dass also geringe Mengen an Vitamin C und Vitamin A (Betacarotin) Brustkrebs verhindern. Im Verlauf von sechs Jahren bei 35 000 Frauen.

Die gesamte Pharmaindustrie, alle diese riesigen Firmen mit ihren 100 Milliarden Dollar-Umsatz haben nichts Vergleichbares anzubieten. Kennen nicht eine einzige Pille, die Krebs in diesem Umfang verhindert. Und das allerschönste: Sie und ich wissen, dass 500 mg Vit C in der Natur gar nicht vorkommen. Dass man die Studie jetzt schnellstens mit einer richtigen Dosis als 3 g, 5 g, oder 10 g pro Tag wiederholen müsste. Und was würde man da für ein Ergebnis finden? Spannend!

Denken Sie bitte einmal ganz kurz drüber nach, weshalb solch eine richtige Studie niemals unternommen werden wird. Die müssen Sie schon an sich selbst durchführen.

PS: Preisfrage: Weshalb erzählt Ihnen eigentlich Ihr Gynäkologe nichts von dieser Studie?

 

 

 

 
 
 

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