Philosophie, Politik und Medizin

29.06.2015
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Lernen. Täglich lernen. Wachen Auges durch die Welt gehen. Zuhören. Lesen. Wenn Sie diese – jedem Kind innewohnende – Fähigkeit sich erhalten bis ins höchste Alter, sind Sie auch jung. Bis ins höchste Alter. Geistig jung.

Eine Ihrer selbstgestellten, zentralen Fragen könnte sein: „Wer bin ich?“ oder „Was tu ich hier?“.

Bringt uns zur Philosophie. Die sich mit solchen Fragen beschäftigt. Und uns, so behauptet sie, Antworten gibt. Pustekuchen. Mich jedenfalls hat sie regelmäßig enttäuscht. Dazu Plessner: 

„Eine Geistesgegenwart im geschichtlichen Augenblick scheint die Philosophie konstitutionell zu überfordern. Deshalb hat sie sich in der Regel darauf beschränkt, Prinzipien oder Visionen zu formulieren. Sie hält sich entweder im Bereich der Voraussetzungen oder der Erwartungen auf. Dem verworrenen Gegenwärtigen, dem Augenblick der Entscheidung, weicht sie aus.

Politik indess, so Plessner, ist die Kunst des rechten Augenblickes…“

Und weiter:

"Die Philosophie will all zu gerne über den Gegensätzen schweben. Das hält sie für ihre besondere Klugheit. Sie scheut jenen äußersten Intensitätsgrad des Wirklichen…“

Politik dagegen geschieht. Jetzt. Sie müssen entscheiden. Tun Sie es nicht…werden Sie mit überwältigender Zustimmung wieder gewählt. Beweist uns soeben unsere hochverehrte Frau Dr. Bundeskanzlerin. Oh…! Eine Philosophin?

Bringt uns zur Medizin. Hier gleicht die der Politik. Sie müssen entscheiden. Hier und jetzt. Der Patient sitzt Ihnen gegenüber und hat Schmerzen. Hier und jetzt. Deshalb bin auch ich auf die Universitätsmedizin, die Schulmedizin, die Resignationsmedizin durchaus angewiesen. Hier und jetzt.

Frohmedizin, Epigenetik ist kein akutes Handeln, sondern ein Lebenszustand. Ein Dauerprozess. Hebt den ganzen Menschen auf eine neue Ebene. Dauerhaft. 

Also nicht: Schmerzen. Spritze. Geholfen 3 Tage. Dann wieder Schmerzen. Das ist typische Resignationsmedizin. Die selbstverständlich ihre kurzfristige Berechtigung hat.

Frohmedizin verändert ihre Körpermoleküle. Allein schon durch 10-fach stärkere Sauerstoffversorgung (beim Joggen). Verändert Ihre Körperstruktur (mehr Blutgefäße, mehr Muskeln, weniger Fett). Verändert messbar die Anzahl beruhigender Magnesiummoleküle, messbar die Anzahl fröhlich stimmender Glückshormone. Mit dem winzig kleinen Nachteil: So eine dramatische Änderung, solch ein neues Leben dauert eine gewisse Zeit. Tritt nicht heute ein.

 

Bleibt aber keinesfalls – so wie die Philosophie – bei Prinzipien oder Visionen hängen. Frohmedizin ist wie die Politik: Real.

 

Quelle: R. Safranski „Das Böse“, Seite 148

 
 
 

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