Pro bono, contra malum

15.07.2015
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War lange Jahre das Motto der Satirezeitschrift „Titanic“. Pro bono, contra malum. Für das Gute, gegen das Böse, das Schlechte. Was für ein flammendes Zitat! Pro bono, contra malum.

Könnte glatt einer Gedenkrede des hochverehrten Bundespräsidenten Gauck oder anderer Honoratioren entstammen. Als flammender Aufruf. Als Warnung. Als Forderung, Kernforderung an uns Deutsche: Pro bono, contra malum. Endlich mal einer, der uns knallhart die Wahrheit sagt.

Pro bono, contra malum.

Haben Sie langsam genug? Also ich kringele mich jedes Mal vor Lachen, ich lach‘ mich schepps, wenn ich mir diese 4 Worte vorsage. Typisch Titanic. So haben wir Physik-Diplomanden uns tagtäglich im Tandemlabor der Uni Erlangen begrüßt. Mit „pro bono, contra malum!“ Haben uns damit täglich zur Ordnung gerufen. Zur gesellschaftlichen. Und uns dabei schepps gelacht. Minutenlange Lachanfälle.

Haben Sie jemals so etwas Dämliches gehört wie dieses Motto? Pro bono, contra malum? Als ob das nicht den Worten bonum und malum immanent wäre. Das pro und contra. Man sollte sich doch schämen, das überhaupt hinschreiben zu…müssen.

Wirklich? Na, dann lassen Sie mich einfach zitieren: Eine aktuelle Umfrage 2015 zum Umweltschutz:

  • 70% der Befragten begrüßen verstärkte Maßnahmen zur Luftreinhaltung
  • Besonders umweltbewusst waren die 14-29-jährigen: 81% plädieren für größere Anstrengungen
  • Zudem waren 73% aller Befragten dafür, den CO2-Ausstoß der Braunkohlenkraftwerke zu drosseln

Pro bono, contra malum! Mit großer Mehrheit in Deutschland! Na, was für ein Glück.

Dann sagen wir doch bitte den 14-29-jährigen, dass sie sofort ihr Moped oder Auto abzustellen haben. Sofort und für immer. Dass sie also nicht nur zu schwätzen, sondern auch zu handeln haben.

Dann sagen wir doch bitte den 73%, die die Braunkohlenkraftwerke abschalten wollen, dass sich ihr täglicher Strombedarf damit leider halbieren muss. Muss! Nix mehr Waschmaschine, nix mehr Trockner, nix mehr Kühlschrank, nix mehr…

Wie bitte? Sie halten das für übertrieben? Für eine unmögliche Forderung? Ich, Dr. Strunz, bin jedenfalls genauso aufgewachsen. Hat sich auch kein Mensch darüber aufgeregt.

Wir sind ein Schwätz-Gesellschaft geworden. Merken Sie auch an der Flüchtlingsfrage. Sobald dann ein Einzelner aufgefordert wird, wirklich zu handeln…

 

Quelle: Der SPIEGEL 18/2015, Seite 14.