Querschnittslähmung

18.01.2011
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Ein hochfittes, schlankes Muskelpaket namens Holubek (45), natürlich Triathlet, fährt Ski. Stürzt. Querschnittsgelähmt. 95% der Nerven im Rückenmark durchtrennt.

In Höhe L1. Kann also nicht mehr laufen. Das war's. Selbstverständlich beste medizinische Versorgung, Reha-Klinik, Rollstuhl. Der Fachausdruck bei Entlassung heißt: "Mobil im Rollstuhl".

Der wollte nicht. Es gibt so Typen. Die gehorchen einfach ihrem Doktor nicht.

Der hat gekämpft. Mit der Umwelt, mit sich, mit dem inneren Schweinehund, mit den Schmerzen. Und hat gewonnen. Wie? Sein Geheimnis war:

8 mal 25 Minuten pro Tag

Der hat also jede Stunde 25 Minuten Kraft- und Ausdauertraining gemacht. Gelähmt. Jede Stunde! Erinnern Sie sich?

Das war die Grundidee von "Die neue Diät - Das Fitnessbuch". Da ging es praktisch nur um die

7 magischen Übungen

Glauben Sie. Mir ging es um die Idee: Stündlich. Wenn Du nicht mehr kannst, wenn Du Krüppel bist, wenn alles verloren ist: Kämpfe stündlich. Jede Stunde. Wenn Du Deinen Körper verändern willst, wenn Du dieses Geschwabbel vor dem Spiegel nicht mehr sehen kannst: Kämpfe stündlich. Stündlich Muskelaufbau, so lange es gerade geht.

Stündlich!!!

Natürlich hat Holubek immer noch gelähmte Beine. Nur: Damit steigt er die Berge hoch. Er "benutzt andere Muskeln". Und in meinen Augen noch wichtiger: Er gibt Seminare für andere Querschnittsgelähmte. Und schreibt gerade ein Buch. Das heißt: Er gibt Hilfe weiter.

Wenn ich jemals meinen Hut gezogen habe: Ich tu's vor Holubek.

PS: Weshalb ich bei diesen Bildzeitungs-Berichten so brenne? Weil mir ein Professor in Erlangen gesagt hat: "Ein Wunder. Sie hätten längst querschnittsgelähmt sein müssen. Es kommt aber unausweichlich auf Sie zu. Da genügt eine falsche Bewegung von 10 Zentimetern. Und diese Bewegung wird einmal nachts ohne Ihr Wissen passieren". Und dann hat er mir diese Bewegung vorgemacht. Toll.

 

 
 
 

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