Reden wir über Geld

31.12.2013
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Ärzte mit offenen Augen erschrecken. Erschrecken täglich. Über das, was sie täglich im Sprechzimmer sehen. Das geht auch Kinderärzten so.

Wird dramatisch beschrieben im Spiegel 15/2013, S. 56. Der 11-jährige Alessandro mit Bluthochdruck. Mit Luftnot und Schmerzen in der Brust. Der Kardiologe misst die erhöhten Blutdruckwerte und...“verschrieb Alessandro sofort Medikamente“. Kommentar der Mutter: „Ich war erschrocken, aber auch überrascht. Ich dachte immer, Bluthochdruck haben nur Raucher und alte Leute“.

Dummerweise gibt es ein Foto von Alessandro. Liegend. Sie ahnen: Massiv übergewichtig. BMI 29,9. Dazu freilich kein Kommentar der Mutter.

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie rechnet inzwischen mit rund 700.000 Kindern und Jugendlichen, die unter Bluthochdruck leiden. Behandelt werden müssen. Das müssen stimmt. Fragt sich nur, wie behandelt werden sollte...

Es kommt noch schlimmer: Der behandelnde Kinderkardiologe findet bei der Hälfte dieser Kinder Gefäßschäden insbesondere an der Halsschlagader. Heißt: Die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn ist vermindert. Folgen kann sich jeder selbst ausdenken.

Kleine Nebenbemerkung: Alessandro litt an ADHS. Sie kennen meine begründete Meinung dazu. Und bekam selbstverständlich Ritalin. Dazu der Kardiologe: „Es gibt Hinweise, dass Ritalin bei 80% der Patienten den Blutdruck erhöht“. Gewusst? Wirklich nicht?

Jetzt kommt`s: Selbstverständlich wissen Kardiologen Bescheid. Wörtliches Zitat: „Langfristig hilft nur eine Änderung des Lebensstiles. Da muss man mit den Eltern arbeiten – das bekommt man aber nicht bezahlt“.

Eine sehr, sehr richtige Bemerkung. Abhilfe jenseits der Tabletten ist also bekannt. Und dass man nicht das Kind, sondern die Eltern „zur Einsicht bringen“ muss, ebenfalls. Das aber heißt Arbeit. Und ärztliche Arbeit wird in Deutschland eben nicht bezahlt. Bezahlt wird die Apparatemedizin. Nicht aber Einflussnahme auf Ihren Lebensstil, und damit wirkliche Heilung.

Beispiel gefällig? Lese ich in der WAMS über eine Handwerkerrechnung, die „soeben ins Haus flatterte. Da wurden für 90 km Anfahrtsweg doch tatsächlich 247,50 € in Rechnung gestellt“. Genauer: „Die einzelne Arbeitsstunde wird auf derselben Rechnung mit sage und schreibe 86 € berechnet“.

Normal. Weiß ich auch. Natürlich weiß ich, dass ein sprechender Hausarzt so etwa 30 € pro 3 Monate bekommt. Für beliebig viele Konsultationen. Zum Beispiel Beratung über den Lebensstil. Also wirkliche Heilung.

Noch einmal: Pro Monat 10 €. Enthält beliebig viele Stunden. Alle abgegolten mit 10 €. Der Handwerker pro Stunde 86 €. Und Sie wundern sich noch?

 
 
 

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