Rentenversicherung und Medizin

06.02.2015
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Gibt’s einen Zusammenhang. Sie werden staunen. Das Staunen beginnt mit einem Schreiben der Deutschen Rentenversicherung. Also unseres Staates. An meine Frau. Bitte staunen Sie mit:

„Seit dem 01.07.2014 ist eine Erhöhung der zu berücksichtigenden Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder um bis zu zwölf Kalendermonate möglich. Dabei orientieren sich die zusätzlichen Monate an Kindererziehungszeiten an dem Umfang der für den gleichen Zeitraum bereits berücksichtigten Berücksichtigungszeiten für Kindererziehung...

Da in einem Zeitraum mehrere Kinder gleichzeitig erzogen wurden, ist die Kindererziehungszeit um die Anzahl an Kalendermonaten zu verlängern, die mehrfach belegt sind. Für Berücksichtigungszeiten gilt diese Regelung nicht.

Aha. Jetzt weiß ich Bescheid. In meinem Alter hat man genügend Abstand, um nur noch zu staunen. Und sich den ganzen Vorgang zu verdeutlichen:

Da beschließen wir Menschen, dass einige von uns sich um die Rente kümmern sollen. Wir bezahlen denen Geld, und die fangen an unsere Beiträge einzusammeln und wieder auszugeben. Ganz einfach. So war´s gedacht.

Nur: Die scheinen viel Zeit zu haben. Und die scheinen von Tag zu Tag wichtiger zu werden. Und ersinnen dann eine „Wichtige Sprache“. So unverständlich wie überhaupt nur möglich. Das gibt ein Überlegenheitsgefühl. Wir da oben, und Ihr da unten. Dass wir da unten die da oben bezahlen… geschenkt!

Sehen Sie, das gleiche Phänomen finden Sie in der Medizin. Sie haben meine Ausbildung bezahlt mit etwa 300.000 DM. Sie heißt: Der Bäcker, der Schreiner, die Sekretärin, der Unternehmer. Sie haben´s bezahlt. Damit ich mich medizinisch um Sie kümmere.

Und was tu ich? Habe offenbar viel Zeit. Und fange an, eine möglichst komplizierte Kunstsprache zu ersinnen, die mich abhebt. Über Sie hebt. Zeigt, dass ich, der Onkel Doktor im weißen Kittel, wichtig bin und Sie sind… Bittsteller.

Diese Sprache finden Sie in (fast) jedem deutschen Arztbrief wieder. Der Ihnen ja auf Wunsch zugestellt wird. Finden Sie in fast jedem medizinischen Lehrbuch. Finden Sie in jeder wissenschaftlichen Arbeit. 

Dass ein anständiger Mensch mit Kinderstube bewusst deutsch und verständlich reden sollte… noch dazu mit den Menschen, die seine Ausbildung bezahlt haben… kommt uns da oben gar nicht mehr in den Sinn.

Für mich ist das fehlende Kinderstube. Drum übrigens schreibe ich so… einfache(?) Bücher.

 
 
 

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