Rhythmus des Lebens

25.12.2017
 

Gast-News Nr. 38

Es gibt Menschen die sich nicht an ihre Jugend erinnern. Andererseits sehr wohl Menschen, denen Ereignisse vor ihrem 3. Geburtstag präsent sind. Der berühmte Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth bestätigt, dass erste Erinnerungen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr auftreten können.

Interessant natürlich ist, was für Erinnerungen das sind. Und weil wir Erinnerungen nicht messen können, hier meine Erinnerung:

Papa ist rechts neben mir. 1989. Ich schaue aus dem Fenster. Ich sehe Giraffe und Zebra. Die sich sehr ruckartig bewegen. Ihre Hälse bewegen sich schnell und so ruckartig, wie Mario 1982 im erste Game & Watch LCD-Handheld. Dann die erste Enttäuschung meines Lebens:

Giraffe und Zebra sind Astgeflechte, die sich im Wind bewegen.

Erinnerungen sind ein viel debattiertes Thema in der Wissenschaft. Es lohnt, sich über Erinnerungen Gedanken zu machen. Weil Sie das sowieso ständig tun. Zum Beispiel:

Wenn Sie sich fragen, warum Sie jetzt Hunger haben, erinnern Sie sich vielleicht daran, dass Sie kein Frühstück hatten. Wunderbar. Auf das Gefühl (Hunger), folgt der Gedanke (Was ist denn mit mir los?) und dann die Handlung (Ein gesalzenes Ei essen.).

Wenn man Sie fragt, ob Sie heute Morgen schon gejoggt sind… können wundersame Dinge geschehen. Nämlich dann, wenn Sie sich an den morgendlichen Lauf vor dem Frühstück nicht in allen Details erinnern,…und nach etwas mehr Nachgrübeln merken, dass Sie sich überhaupt nicht an den Lauf erinnern und dennoch – irgendwie – wissen, dass Sie vor dem Frühstück gelaufen sind.

Dann darf man sich ruhig mal fragen,…

Was ist denn mit mir los? Wie kann ich wissen, dass ich gejoggt bin ohne mich daran zu erinnern?

Drum erst einmal der prüfende Blick auf Ihre GPS Jogginguhr (Messung). Ja, tatsächlich, Sie sind nicht geistesgestört. Sie waren heute Morgen joggen. Eigenartig.

So eigenartig muss das gar nicht sein. Wir erinnern uns an vieles nicht. Denken Sie an all die vergangenen Tage und Wochen, an die Sie sich nicht erinnern können. Weil die so normal waren. Da haben Sie einfach nichts anderes getan, als aufzustehen, zu arbeiten, die durchschnittlich 102 Minuten mit Ihrem Lebenspartner geredet und sind schlafengegangen. Nicht besonderes.

Tage und Handlungen, die sich zu ähnlich sind… verschwimmen. Der Alltag. Das selbstähnliche. So wie Bier. Schmeckt immer ähnlich. Hat immer die ähnliche Wirkung. Sie folgen Ihren Automatismen. Diese Tage fließen so dahin.

Auch das Joggen kann wie Bier sein. Joggen ist immer ähnlich. Schmerzen sind immer ähnlich. ABER: die Schmerzen, das Seitenstechen, die brennende Lunge, die Konditionsschwäche,…hoffentlich, hoffentlich, verschwinden. Lösen sich auf. Bereits am dritten Tag (Autosuggestion!)

wird es besser. Es wird fast immer besser.

Wenn Sie sich an den Lauf vor dem Frühstück nicht erinnern, ist das Immer-Besser-werden etwas banal-normales. Denn: es kann ja nur besser werden, Ihr Gedächtnis. Wie Bier. Immer-Besserwerden schmeckt immer ähnlich. Hat immer die ähnliche Wirkung. Sich erinnern heißt also Erfolg haben. Tage fließen so dahin… das kann aber durchaus etwas Gutes sein… DENN: auch Schmerzen, die Alltagsprobleme, die Hürden, die Angst,… können verschwinden. Können sich auflösen. Bereits am dritten Tag

wird es besser. Es wird immer besser.

JETZT VORSICHT

Der Lebens-Lauf ist hart. Seien wir ehrlich (siehe News 26.12.2016). Daran werden wir täglich erinnert. Wir schmeißen uns, weil wir Primaten manchmal imitieren, gerne Steine an den Kopf. So wie „Das ist schwerer als du denkst.“. Oder „Das erfordert viel mehr als du glaubst.“. Oder „Das erfordert enorm viel Vorwissen.“. Oder „Das kann nicht jeder (Heißt: Das kannst du nicht).“. Steine schmeißen, das ist entmutigen.

Auch das Entmutigen kann wie Immer-Besser-werden sein. Entmutigen ist immer ähnlich. Der Schmerz ist immer ähnlich. Hat immer die ähnliche Wirkung. Stress. ABER: die Schmerzen, die Entmutigung, die stetige Bestätigung, dass das Leben hart ist, die eigene Schwäche, das Asthma, kann verschwinden. Kann sich auflösen. Bereits am dritten Tag

haben Sie vergessen, dass es für Sie nur bergab ging.

 

Das Leben ist hart. Und täglich müssen Sie den Schlaglöchern ausweichen. Müssen Ihre Reflexe täglich, verbissen, verbessern. Täglich, verbissen, wie eine Ameise 100 % geben. Kämpfen. Das ganze Leben ist Ursache und Wirkung. Keine Magie. Nichts Mystisches. Alles Quark, was die Wunderheiler sagen. Alles Hirngespinst. Es zählen... Fakten: Bewegung. Ernährung, dann Denken: Und es wird besser. DAS WAR DIE LÖSUNG!

JETZT ACHTUNG

Man fragt mich:

Wann hast du das letzte Mal vor der Arbeit die Beine hochgelegt?

Jetzt können wundersame Dinge geschehen. Nämlich dann, wenn Sie sich an das Beinehochlegen vor der Arbeit nicht in allen Details erinnern,…und nach etwas mehr Nachgrübeln merken, dass Sie sich nicht erinnern, das jemals getan zu haben. Und dennoch „wissen“, dass es einmal passiert ist.

Vor langer, langer Zeit. Hatten Sie vor der Arbeit die Beine hochgelegt. Und Sie gucken in Ihr Unterbewusstsein (Meditation ist Messung). Ja, tatsächlich, Sie sind nicht geistesgestört. Sie hatten Ihre Beine hochgelegt…

Vor der Arbeit. Vor Ihrer ersten Erinnerung. Vor dem Leben. Bis zur ersten Enttäuschung.

Dann ging es los, bis hin zu: Das Leben ist Arbeit. Von Stund an wurde geschuftet. Ohne Beine-hoch-legen. Seien wir ehrlich (siehe News, 08.11.2015). Das Leben ist halt doch immer ähnlich…ach, etz langt’s mit der ewigen Wiederholung. Wir sind inzwischen doch hoffentlich WACH… geworden!

 

Natürlich ist das Leben ähnlich! Schau raus‘. Aus dem Fenster. Alles ist ähnlich, und ja, nichts ist gleich! Keine Schneeflocke, keine Küste, keine Idee, kein Händeschütteln, kein Käsetoast. Nichts ist gleich. Rhythmus bedeutet die Wiederkehr des ähnlichen, nicht des gleichen.

Wach sein ist Rhythmus. Sie brauchen keine Gleichungen. Keine kluge Formeln gescheiter Leute. Legen Sie die Beine hoch! Vor der Arbeit! Jeden Tag…und bereits nach Tag drei…wird es besser. Immer besser.