Runner's High

12.02.2007
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Dieses Glücksgefühl, das viele aufs Laufen neugierig macht, gibt es wirklich. Es lässt einen während des Laufens schweben. Es macht leicht, froh und zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Nur, nicht jeder kennt es. Nicht jeder bekommt es. Doch Sie können es sich garantiert laufenderweise selber machen.

Endorphin, die körpereigene Glücksdroge

Schon vor dreißig Jahren entdeckten Forscher, dass das Gehirn schmerzlindernde und stimmungsaufhellende Drogen produzieren kann. Diese Stoffe wirken wie Morphium, weswegen man sie endogene (endogen= im Körper gebildet) Morphine nannte. Heute sprechen wir von Endorphinen. Sie sind verantwortlich für das Runner´s High.
Endorphine werden im Hypothalamus, einem Teil des Gehirns, produziert und über die Hirnanhangdrüse dann in den Blutkreislauf eingeleitet. Sie können nicht nur Schmerzen lindern, sondern stehen auch als antidepressive Medizin an erster Stelle. Auslöser für die Ausschüttung von Endorphinen sind emotionale und körperliche Stresszustände. Deswegen ist schnelles Laufen wunderbar geeignet um die körpereigene Endorphin-Produktion anzukurbeln. Resultat: Man fühlt sich angenehm entspannt und eben “high“. Oft berichten Läufer: „Ich hätte ewig weiterlaufen können. Ich war einfach glücklich, euphorisch und eins mit der Welt.“

In das "Runner´s High" laufen

Das klingt ja toll, denken Sie. Das will ich auch. Doch wie schaffen Sie es nun in der Praxis, mit geschnürten Schuhen die Endorphine richtig sprudeln zu lassen? Kann man egal wie weit man läuft „high“ werden? Klappt das nur bei einer bestimmten Geschwindigkeit? Berechtigte Fragen, die es zu klären gilt, damit Sie im Glück baden können.
Untersuchungen zeigen, dass nach einer Maximalbelastung bei 80 Prozent der Läufer der Endorphinspiegel im Blut erhöht war. Bei einer geringen Belastung waren es nur noch 45 Prozent der Läufer. Außerdem erreichte der Spiegel nach dem sehr anstrengenden Lauf das Dreifache der Ausgangswerte, während das lockere Joggen nur zu einer Erhöhung um 50 Prozent führte. Und wie verhält es sich mit den Tempobereichen zwischen langsam und ganz schnell?

Wo liegt die Schwelle zum Glücksgefühl?

Gibt es vielleicht einen bestimmten Punkt an dem die Endorphinschleuse geöffnet wird? Ja, die gibt es. Atko Viro von der estnischen Tartu-Universität, Experte auf dem Gebiet der Endorphin-Forschung, konnte die Schwelle für die Belastungsintensität bestimmen, an der die Endorphine den Körper überfluten. Sie müssen bei mindestens 75 Prozent Ihres Maximalpulses laufen. Geringere Intensitäten, bei denen Sie wenig Schmerz und Unbehagen fühlen, machen Endorphine überflüssig und die Drogenproduktion bleibt aus.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass der optimale Glücksgewinn am Grenzpuls stattfindet. Also an dem Puls, wo Sie genauso viel Laktat abbauen wie Ihr Körper produziert. Und der liegt beim Hobby-Jogger tatsächlich bei 75 Prozent des Maximalpulses. Beim geübten Läufer eher bei 85 Prozent, beim Profi sogar bei 93 Prozent des Maximalpulses. Das ist einer der Gründe, weshalb wir Ihnen sagen: Laufen Sie beim Gerade-Noch-Wohlfühlpuls ... und Endorphine machen Sie glücklich.

Geht’s auch über die Länge?

Und wie sieht es mit der Streckenlänge aus? Vielleicht könnte man ja mit lockerem Tempo ein langes Läufchen machen und hätte dann denselben Glücks-Effekt? Leider haben die Untersuchungen, die die Steckenlänge und die Endorphinausschüttung näher beleuchteten nur zu einem Wirrwarr geführt. So berichtete eine Studie, dass sich bereits nach zehn Kilometern die Endorphinkonzentration im Blut um das Doppelte erhöhe während die nächste behauptete, eine Stunde reiche noch nicht aus um vermehrt Endorphine zu bilden.
Die Gründe für solche widersprüchlichen Aussagen sind einfach, aber kaum bekannt. Man muss sich nur überlegen, dass Endorphine aus Aminosäuren gebastelt werden, also aus Eiweiß. Tatsächlich haben etwa 40 Prozent der von uns überwachten Läufer im Aminogramm (Bestimmung der Konzentrationen von einzelnen Aminosäuren im Blut) viel zu tiefe Spiegel von bestimmten Aminosäuren, welche sie bräuchten, um Endorphine zu bilden. Kaum gleicht man die Aminosäurendefizite aus, klappt es bei jedem. Schon nach ca. einer halben Stunde laufen Sie ins Glück.

Sie wollen direkt in das "Runner´s High" laufen?

Dann bringen Sie Ihren Eiweißspiegel auf normale Höhe, nehmen Sie die Beine in die Hände und geben Sie ein bisschen Gas ...
Sie werden garantiert belohnt!

Sie haben Fragen? Ich helfe Ihnen gerne weiter ...
Holle Bartosch
HBartosch@strunz.com

 
 
 

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