's braucht seine Zeit!

21.08.2013
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Falls Sie sich entschließen sollten, Ihr Leben auf den Kopf zu stellen. Also ab jetzt fröhlich, energiegeladen länger gesund zu leben...sprich: Von Stund an genetisch korrekt zu speisen, dann werden Sie eine Überraschung erleben. Erst einmal geht`s bergab.

Präzise ausgedrückt: Wenn Sie aufhören, Ihre Gene mit buchstäblichem Müll zuzuschütten, wenn Sie also die Zufuhr an leeren Kohlenhydraten stoppen, werden Sie nicht von Stund an glücklicher oder leistungsfähiger, sondern erst einmal schlapp. Oft müde. Manchmal depressiv. In den ersten Tagen. Kein Wunder: Kohlenhydrate, also Zucker gilt ja inzwischen offiziell als Droge. Als Suchtdroge. Und wenn Sie eine Droge absetzen (weiß jeder Raucher), dann leiden Sie zunächst. Fragt sich einfach nur: Wie lange.

Dieser Frage ist Dr. Phinney (Nutr Metabol 2004, 1:2) nachgegangen. Er hat dazu zunächst Erzählungen von Eskimos, dann von Europäern in Grönland ausgewertet, schließlich eigene Messungen veranstaltet. Und findet in seinen Messungen, dass der Umstellungsprozess

in einer Woche

abgeschlossen sei. Dass nach einer Woche No Carb (also nur 20-50 g, weniger geht nicht), dass Sie nach einer Woche ohne Droge wieder voll leistungsfähig werden. Bewiesen auf dem Fahrradergometer. Und das würde gelten, so meint er, sowohl für den Hochleistungssportler wie auch für den sitzenden Menschen. Kein Unterschied.

Weiß freilich, dass die Anpassungsspanne auch etwas länger sein kann. Doktor Schwatka (1881), der sich mit seiner Hudson-Bay-Expedition ja recht plötzlich ketogen ernähren musste, hat 2-3 Wochen gebraucht. Bis er seinen Schlitten wieder mit voller Kraft ziehen konnte. Und alle Berichte, alle Messungen in der Literatur zusammengefasst: Längstens nach 3-4 Wochen sind Sie wieder voll da. Voll heißt besser als vorher.

Weshalb besser? Weil Sie zwangsläufig in dieser Zeit Fett verloren haben. Gewicht verloren haben. Und weil dadurch zwangsläufig (schon rein rechnerisch) Ihr VO2 Max angestiegen ist. Die maximale Menge an Sauerstoff, die Sie in der Zelle verarbeiten können. Das sicherste Maß für Leistungsfähigkeit, übrigens auch für Ihr biologisches Alter. Heißt: Sie werden, ob Sie das wollen oder nicht, mit dieser Methode biologisch jünger.

Was oft ein bisschen untergeht: Fett spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. Beim Leistungssportler. Beim Eskimo. Die müssen ihre Energie ja irgendwo her beziehen. Und wenn nicht aus Zucker, dann unbedingt aus Fett. Die brauchen also ca. 80% der täglichen Nahrung in Form von Fett. Bleiben selbstverständlich dennoch schlank. Sehen Sie: Das ist der Hintergrund von Ketocal (ich hatte berichtet), diesem Wunderpulver (gegen Epilepsie, gegen Krebs, für den Sportler) welches ja auffälliger Weise aus 15% Eiweiß, aber zu 73% aus Fett besteht.

Wer das Fett nicht braucht? Na, der deutsche Normalbürger. Der viel gescholtene. Der trägt das Fett in eleganter Form je bereits mit sich herum. Der kommt – anfangs – allein mit Eiweiß aus. Energie bezieht er aus seinem Körperfett. So lange bis...das Ziel erreicht ist. Laut Sporthochschule Köln bei 15% Körperfett, laut Armstrong und Co bei 4% Körperfett. Sie kennen sich ja inzwischen aus.

Übrigens legt Dr. Phinney großen Wert auf die Feststellung, dass ketogene Diät nur dann funktioniert (muskelerhaltend funktioniert!), wenn Ihr Mineralstoffhaushalt stimmt. Er betont die Wichtigkeit von Natrium (Kochsalz) und Kalium täglich. Eskimos wissen das. Die trinken „coastal ice“, also teilweise entsalztes Seewasser. Klug.

Keiner von uns braucht hier zu raten. Die Mineralien im Blut misst Ihnen jeder Hausarzt zwischendurch gerne.

 
 
 

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