Schlusslicht Deutschland

09.01.2009
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Viele von Ihnen wundern sich. Über eine ganz offensichtliche Diskrepanz. Über den Unterschied zwischen dem, was Sie in diesen News oder in meinen Büchern lesen ... und den Erzählungen Ihres Hausarztes oder den Erfahrungen in Ihrer Klinik.

Tatsächlich können Sie hier hautnah den Unterschied zwischen „der Welt des Wissens und der deutschen Versorgungswirklichkeit“ studieren (Zitat Professor G. Antes in der FAZ).

In meiner Sprache: Die Medizin weiß ... nur der deutsche Hausarzt nicht. Wir sind in der Medizin so sehr viel weiter. Wir wissen genau, wie man keinen Krebs bekommt, wie man keinen Herzinfarkt bekommt, wie man keinen grauen Star bekommt, wie man keinen Alzheimer bekommt, wie sämtliche Blutdruck-Diabetes-Blutfett-Tabletten überflüssig sind und werden. Die Medizin weiß längst Bescheid.

Nur die deutsche Medizin nicht. Schreibt und begründet Professor Antes in der FAZ ganz präzise.

„Unzählige Studien haben in den vergangenen 40 Jahren gezeigt, dass die Verwirklichung von Wissen, von medizinischem Wissen, erschreckend langsam erfolgt und die verschenkte Zeit vermeidbare Todesfälle zur Folge hat“.

Ein Hauptgrund ist die Sprachbarriere. Alle wichtigen, alle neuen Ergebnisse klinischer Studien werden „ausnahmslos“ in englischsprachigen Zeitschriften veröffentlicht und „haben einen Impakt-Faktor“ (Anzahl der Zitierung), die bis zum 50-fachen über denen deutscher Zeitschriften liegt.

Anmerkung: Jetzt verstehen Sie, weshalb meine wissenschaftlichen Veröffentlichungen ausnahmslos in führenden amerikanischen Zeitschriften nachzulesen sind. Anmerkung Ende.

Jetzt kommt's: Professor Antes zitiert Studien, wonach 80% der deutschen Ärzteschaft in der beruflichen Routine nichts in englischer Sprache lesen. Und sie damit „zwangsläufig von dem globalen Wissenspool abgeschnitten sind“.

Und die restlichen 20% der deutschen Ärzte, die sich täglich in englischer Sprache weiterbilden? Die werden „von ihren Organisationen und Verbänden weitgehend im Stich gelassen“. Professor Antes spricht von „einer erstaunlichen Ignoranz und weitverbreitetem Desinteresse“ dieser Organisationen (soll ich sie nennen?), was dazu führt, „dass selbst Universitätskliniken sowie der größte Teil der Ärzteschaft keinen Zugang zu den relevanten Wissensquellen hat“.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, weshalb Sie in meinen News immer so „andere Medizin“ erfahren. Weshalb ich die „Welthauptstadt der Medizin“, nämlich das NIH so oft direkt oder indirekt zitiere. Das Wissen ist da. Weltweit. Bloß eben nicht unbedingt in Deutschland.