Schwächlinge sterben früher

02.06.2017
 

Können Sie sich vorstellen, dass Krebsärzte, dass Krebsstationen in Krankenhäusern sich mit Bodybuilding beschäftigen könnten? Können Sie auch nicht. Solche Bilder haben wir nicht. Aber – so kann man sich täuschen. Auch ich.

Ganz aktuell aus dem Comprehensive Cancer Center (CCC) der Uni Wien. Die haben beobachtet, dass es im Rahmen einer Chemotherapie (bei Speiseröhrenkrebs) offenbar häufig zu einem starken Verlust an Muskelmasse kommt.


Das wäre an sich nicht schlimm, wenn sich nicht dadurch die Lebenserwartung der Patienten um durchschnittlich 32 Monate verkürzte. Also um 2 ½ Jahre.

  • Denke ich mir: Chemotherapie schenkt vielleicht 2 zusätzliche Jahre, nimmt aber durch den Muskelabbau 2 ½ Jahre weg. Da fange ich an zu grübeln.

Wie gesagt, gefunden bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs. Gründe für den sind – wie selten für irgendeinen anderen Krebs – präzise bekannt:

  • Rauchen
  • Alkohol
  • Reflux (in der Regel Übergewicht).

Logische Folgerung: Die Häufigkeit (in Österreich) nimmt stark zu. Natürlich.

Nur: Dieser Muskelverlust, diese Sarkopenie ist „nicht unbedingt eine Nebenwirkung der Chemotherapie“.

Da höre ich zu. Da werde ich wach. Wenn die Chemotherapie nicht daran schuld ist, was dann? Sie werden es kaum glauben:

Es klärt uns auf der Chirurg Matthias Paireder von der Wiener Chirurgischen Uniklinik:

    „die Gründe für diesen Verlust der generellen Muskelmasse sind schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung“.

Darauf wäre wohl niemand von uns gekommen. Nur fange ich jetzt langsam zu kochen an.

  • Wer ist denn im Krankenhaus für die Ernährung zuständig? Naja, ganz sicher nicht der Chirurgische Direktor. Der wäscht sich sicher die Hände in Unschuld. Es sind zwar seine Patienten….
  • Und ganz sicherlich nicht der onkologische Professor. Was hat der mit der Krankenhausküche zu tun? Genau so wird er argumentieren. Der kümmert sich um die Chemotherapie, oder?
  • Und wer ist für die Bewegung der Krebspatienten zuständig? Naja. Die Ärzte sicher nicht, oder?

Sehen Sie, so zuckt jeder mit der Schulter. Und in der Mitte steht der arme Krebspatient, chemo-therapiert, alleingelassen. Der soll Kraft und Energie haben, sich um sein Essen zu kümmern, sich um ein Bewegungsprogramm, ein Kraftprogramm zu kümmern? Nie und nimmer.

Praktische Lösung habe ich auch nicht. Ich wurde von meiner Frau monatelang täglich gefüttert. Mit dem Teelöffel. Die hat sich gekümmert. Offenbar hatte der Familien-Clan unserer Vorfahren doch so seine Vorteile…

Quelle: „Doktor in Wien“ 04/2017, S.26

PS: Als Stationsarzt würde ich diesen schrumpfenden Mitmenschen Anabolika spritzen. Massiv. Jeder Sportler kriegts bezahlt, jeder Bodybuilder tuts. Und hier würde es sich lohnen. Und Eiweißpulver bekämen die alle zwei Stunden. Und Vitamine dazu. Wetten, dass…..?

 
 

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