Sicher und wirksam

03.06.2014
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Hochspannend: wie kann man mit einer News 1000 Fragen auf einmal beantworten? Ganz einfach: man schreibt ab. Schreibe ich also ab, wörtlich, eine Anhörung vor dem Gouvernment of Canada, House of Commons Standing Committee on Health, zum Thema Sicherheit natürlicher Gesundheitsprodukte.

Und beantworte damit 1000de Ihrer Fragen. Für mich persönlich ist das, was folgt, Spannung pur:

"Natürliche Gesundheitsprodukte wie Aminosäuren, pflanzliche Mittel, Vitamine und andere Nährstoffsupplemente haben sich in der Vergangenheit als außerordentlich sicher in der ihrer Anwendung erwiesen. In den USA nimmt nahezu die Hälfte der Bevölkerung täglich pflanzliche Mittel oder Nährstoffsupplemente ein. Das sind über 145.000.000 Einzeldosen am Tag, zusammengenommen über 53 Milliarden Dosen jährlich.

Die bedeutendste juristische Frage, die zu klären ist, ist die nach den Todesfällen

Bei dem Versuch, eine Antwort auf diese Frage geben, müssen wir uns dem 2003 Annual Report der American Association of Poison Control Centers Toxic Exposures Surveillance System zuwenden, der im American Journal of Emergency Medicine, vo. 22, No. 5, September 2004 veröffentlicht ist.

In diesem Bericht wird festgestellt, dass es im Jahr 2003 vier Todesfälle gab, die Vitamin/Mineralstoffsupplementen zugeschrieben werden. Zwei dieser Todesfälle waren auf deine Eisenvergiftung zurückzuführen. Das bedeutet, es hat bei 53 Milliarden Einzeldosen zwei Todesfälle gegeben, die angeblich durch Vitamine verursacht wurden. Das ist ein Sicherheitsbeleg für ein Produkt, das seinesgleichen sucht.

Arzneimitel auf der anderen Seite haben nach dem Bericht des Poison Control Center über 2.000 Todesfälle verursacht. Hierzu zählen:

  • 13 Todesfälle durch Antibiotika
  • 274 Todesfälle durch Antidepressiva
  • 64 Todesfälle durch Antihistaminika
  • 162 Todesfälle durch Herz-Kreislaufmedikamente

Die Behauptung, dass nur verschreibungspflichtige Arzneimittel Menschen töten, wäre nicht korrekt. Im Jahr 2003 gab es allein 59 Todesfälle durch Aspirin. Das ist eine Sterberate, die fast 30-mal höher ist als die von Eisen-Supplementen. Darüber hinaus gab es noch weitere Todesfälle durch Aspirin in Kombination mit anderen Präparaten.

Todesfälle sind keinesfalls auf Arzneimittel beschränkt. In den USA gab es 2003 einen Todesfall durch "Creme/Lotion/Make-up", einen Todesfall durch Waschmittelgranulat, einen Todesfall durch "Färben von Baumwolle", einen Todesfall durch einfache Seife, einen Todesfall durch Backpulver und einen durch Tafelsalz.
Zu den weiteren Todesfällen, von denen die American Association of Poison berichtet, zählen:

  1. 2 Todesfälle durch aerosolhaltige Raumluftverbesserer
  2. 2 Todesfälle durch Nagellackentferner
  3. 2 Todesfälle durc Parfüm/Eau de Cologne/Rasierwasser
  4. 3 Todesfälle durch Holzkohle
  5. 3 Todesfälle durch Geschirrspülmittel (und interessanterweise durch Massenvernichtungswaffen: Null Todesfälle)

Im Jahr 2003 gab es in Amerika 28 Todesfälle durch Heroin, und Paracetamol tötete alleine 147 Menschen. Obwohl durch Paracetamol über fünf Mal so viele Personen getötet wurden, würden nur wenige sagen, dass dieses allgemein als sicher betrachtete, schmerzlindernde OTC-Arzneimittel der Verschreibungspflicht unterworfen werden sollte. Selbst durch Koffein wurden 2003 zwei Menschen getötet, eine Zahl, die den beiden Todesfällen entspricht, die den Vitamine/Mineralstoffsupple-menten ohne Hinzuzählung von Eisen zugeschrieben werden. Tee, Kaffee und Cola-Softgetränke werden nicht mit Beschränkung, auf Rezept oder in kindersicheren Flaschen verkauft und ziemlich wenige würden behaupten, dass dies notwendig sei."

Das waren knapp zwei von 11 Seiten. Hat man den ganzen Artikel gelesen, zuckt man in Zukunft jedes Mal zusammen, wenn die Frage aufkommt: "Können NEM gefährlich sein?"

Will sagen: Die Medizin weiß. Die Wissenschaft weiß. Nur möglicherweise ihr Hausarzt nicht.

 
 
 

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