Sie lesen nicht

07.02.2011
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Manchmal frag ich Sie ja - wie Sie glauben, spaßhaft - in meiner Praxis, ob Sie lesen könnten. Erinnere an die Volksschule. Und meine das Ganze viel ernster, als Sie denken. Ich frage nämlich dann, wenn Sie sich beschweren. Über das Leben. Über das Leid. Warum gerade ich ... und so weiter. Immer die gleiche Leier.

Dabei hatte ich Ihnen das Lösungsbüchlein längst empfohlen. Sie haben's einfach nicht ernst genommen. Nicht gelesen: "Im Kreis der Welt" von Michael Crichton. Ein Arzt, Bestseller-Autor, Filmregisseur. Da finden Sie auf Seite 144 das umwerfende Zitat:

"Ich habe mich einen großen Teil meines Lebens hindurch elend gefühlt. Dann dachte ich eines Tages, ich bin nur so und so lange auf der Welt, und es liegt an mir, ob ich das Dasein schön finde oder nicht. Da habe ich beschlossen, dass ich es dann auch sofort schön finden kann".

Das war's auch schon. Was der kann, können Sie auch. Oder? So ein Beschluss, so ein Glaubenssatz verändert Ihr Leben sofort. Es geht weiter mit: "Er scheint in einer konzentrierten Gegenwart zu leben, reagiert auf alles mit einer ungekünstelten Unmittelbarkeit, die Vergangenheit wie Zukunft unberücksichtigt lässt. Er ist stets echt." Und es folgt der geniale Satz:

"Man muss immer bei der Wahrheit bleiben, denn wer die Wahrheit sagt, macht sie zum Problem des anderen."

Konnten Sie soeben in der politischen Debatte Deutschlands erleben. Ein Mensch sagt 1,3 Million mal (Buchauflage)einfach nur die Wahrheit. Untermauert mit Statistiken. Und machte damit die Wahrheit zum Problem der Anderen. Der Berufspolitiker. Peinlich.

Noch einmal: Weshalb lesen Sie nicht?

 
 
 

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