Smoothies statt Alkohol

26.10.2015
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Da sträuben sich ihm die Haare, dem SPIEGEL. Der ja nun zu allem etwas zu sagen hat. Nach eigenem Selbstverständnis sogar muss. Der also auch den eindrucksvollen Zusammenbruch des BMW-Sprechers M. Schöberl auf der IAA kommentieren… muss.

Ein schlanker, fit wirkender Manager, der auf freier Bühne ein paar Schritte zurücktaumelt und tatsächlich zusammenbricht. Höchst eindrucksvoll. Aus heiterem Himmel. Da recherchiert er nach, der SPIEGEL und findet abenteuerliches. Hätten Sie´s geglaubt? Diese Manager „optimieren sich permanent selbst“. Sie „betreiben einen fast absurden Selbstbetreuungsaufwand, nur um ihr Arbeitsprogramm bewältigen zu können“.

„Nur“. Ich liebe Fakten. Ich liebe die Messung. Also lese ich Statistiken des Bundeswirtschaftsministeriums. Da steht: Diese Manager, die mit dem „fast absurden Selbstbetreuungsaufwand“ gehören genau zu den 10% Deutschen. Zu den 10%, welche die Steuerlast tragen. Welche unsere Schulen finanzieren, den Straßenbau, öffentliche Gebäude wie den Flughafen Berlin, aber auch die Kitas und den Behördenapparat. Einschließlich den Gehalt von Frau Dr. Merkel. Finanziert von 10% der Deutschen.

Genauer: Diese 10% zahlen mehr Steuern ein, als sie entnehmen. Als sie verbrauchen. Denn wir alle nehmen die öffentlichen Mitteln ja irgendwie in Anspruch.

Zum vollständigen Bild gehört: Die Hälfte der Deutschen zahlt gar nichts. Die verbrauchen bloß. Haben aber höchstwirksame Interessensvertretungen. Die restlichen 40% zahlen gerade so viel Steuern, wie sie auch verbrauchen. Sind also ausgeglichen. Völlig okay.

Fazit: Vielleicht sollte man zu den 10% da oben mal ein bisschen rücksichtsvoller sein. Vielleicht auch einmal danke sagen. Nur: Habe ich noch nie gehört. In meinen 72 Lebensjahren. Dieses „Danke“. An diese 10%. Aber lassen wir doch den SPIEGEL weiter mit gesträubten Haaren berichten. Unglaublich! Aber wahr:

  • Diese Manager „absolvieren Fitnessprogramme“.
  • Die haben Ernährungsberater (!!!).
  • Die meditieren, hören auf ihren Psychocoach.

 

Bewegen sich also, ernähren sich (vielleicht richtig), meditieren. Das Forever Young Programm. Ja, was denn sonst. Und dann kommt das schlimmste obendrauf. Ganz unglaublich für einen SPIEGEL-Redakteur:

Smoothies statt Alkohol

Da schüttelt´s jeden Bundestagsabgeordneten. Da fällt dem Spiegel-Redakteur ja die Zigarette aus dem Mund. Kein Alkohol? Gibt es eigentlich Leben ohne Alkohol?

Das wär mal ein Thema, lieber SPIEGEL! Sie würden sicher ein paar Fachleute in Ihrem Mitarbeiter-Stab finden.

Quelle: DER SPIEGEL 39/2015, Seite 76

 
 
 

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