Spermien

30.07.2013
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Sind nicht nur winzig, sondern auch empfindlich. Viel empfindlicher als die meisten Ihrer übrigen Organe, empfindlicher als Ihr Körper. Reagieren auch prompt und erschreckend auf die allgemeine Umweltverschmutzung. Die bereits beginnt bei der täglichen Hormonentsorgung: Die Pille. Millionenfach gelangt die über den Urin ins Grundwasser, Hormonreste ins Trinkwasser und... vermindern die Spermienzahl in Deutschland. Und das gleiche gilt für die meisten ach so unbedenklichen Umweltgifte. Unbedenklich für wen? Für Ihren Zeigefinger...ja das glaube ich. Aber für Ihre Spermien?

Deswegen wird bei Kinderwunsch und jahrelanger Unfruchtbarkeit auch ein Spermiogramm angefertigt. Da geht es um die Lebensfähigkeit, um die Beweglichkeit, aber eben auch um die Anzahl dieser kleinen Dinger. Darf ich aus dem Nähkästchen plaudern?

Kommt zu mir ein junger Mann, proper, sportlich, offensichtlich gesund. Und beklagt sich. Seine Frau sei gesund, sie bekämen aber keine Kinder, und er sei Schuld. Er hätte nämlich nur

3 Millionen Spermien pro ml.

Viel zu wenig. Bei Kontrollen auch mal 3,5 und 4. Aber eben immer noch zu wenig. Ob ich ihm helfen könne. Sie kennen meine Antwort: Selbstverständlich. Ich habe da so diese schlichte Vorstellung, dass der Körper und damit wohl auch die Spermienproduktion in Ordnung kommt dann, wenn unsere Moleküle weitgehend stimmen. Und ein paar dieser Stoffe können wir ja messen. Haben wir also getan.

Überhaupt nicht verwunderlich - typisch bei unerfülltem Kinderwunsch - dass hier wieder einmal viel zu wenig Selen und Zink im Körper vorhanden waren. Das weiß zwar jeder Tierarzt, das weiß auch jeder Bauer (Zufütterung), aber Menschenärzte...? Entscheidend freilich war wieder einmal das Aminogramm. Die essentiellen Aminosäuren. Ich hatte - so wörtlich - "noch nie so ein mangelhaftes, so ein schlechtes Aminogramm gemessen". Nun ja. Die Zahlen lagen klar auf dem Tisch, der junge Mann hat verstanden und hat geändert.

Kam jetzt nach längerer Zeit erneut zu mir und berichtet zunächst, dass er anders gegessen hätte, dass er NEM genommen hätte und dass die Spermienzahl von etwa 3 Mio. angestiegen sei prompt auf zunächst 800 Mio., und dann auf

1 Milliarde Spermien pro ml

So deutlich hätte selbst ich das nicht erwartet. Aber wir lernen wieder einmal: Die Natur folgt einfachen Regeln. Und einen guten Teil davon verstehen wir sogar. Will sagen: Ein Arzt, die Wissenschaft, kann wirklich helfen.

Nur leider, so berichtet er, hätte er in den letzten Monaten geschlampert, wie er das nennt. Sich nicht mehr an die Vorschriften gehalten. Wieder so gegessen wie früher, auf Vitamine & Co verzichtet. Und hätte prompt die Quittung bekommen. Jetzt, hier, heute säße er da mit wieder erneut nur 4 Mio. Spermien pro ml. Und guckt mich an:

Ob ich Ihm erneut helfen könne?

Ja freilich.

 

 

 
 
 

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