Spielverderber Schweiz

04.04.2019 | Strunz
 

An der Uni Zürich sitzt Prof. M. Puhan, der soeben eine Großstudie in „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht hat, welche den deutschen Ärzten den Spaß verderben soll. Gründlich.

Puhan hat die Vorteile und Nachteile von Statinen untersucht und meint: „würden Ärzte seine Erkenntnisse berücksichtigen, würde mindestens 50% weniger Menschen ein Statin zur Primärprävention empfohlen werden.“

 

Primärprävention? Typisches Versteckspiel. Heißt: Sie gehen zum Arzt. Der nimmt Blut. Der findet ein erhöhtes LDL-Cholesterin (schädlich). Und verschreibt Ihnen völlig automatisch, unbedingt Statine.
Droht sogar. Wenn Sie das nicht nehmen, müssen Sie in…. Jahren sterben. Die Zahl variiert. Höre ich mir 2-mal täglich am Schreibtisch an. Diese Drohung.

 

Jetzt Puhan. Analysiert die Daten von Menschen zwischen 40 und 75 Jahren. Genau die richtige Klientel. Und meint "vor allem für Senioren wurde der Nutzen von Statinen bis jetzt anscheinend stark überschätzt". Man sollte wenigstens Alter und das Geschlecht berücksichtigen.

 

Geschlecht? Erinnere ich mich an die Verlautbarung der Pharmaindustrie: Bei Frauen hilft ein Statin überhaupt nicht. Hat man Ihnen auch nicht erzählt? Stand in einer Veröffentlichung der Firma Pfizer (Statinname Sortis).

 

Überhaupt nicht. Denken Sie manchmal mit? Und bei Männern helfe es erst nach Herzinfarkt (also nicht bei Primärprävention, wenn Sie sich an das komische Wort noch erinnern), also erst nach Herzinfarkt, und dann auch nur in 1,6% der Fälle (0-3%, je nach Studie), in absoluten Prozentzahlen.

 

Erinnern Sie sich? Petition von Brustkrebs-Patientinnen an den deutschen Bundestag. Sie wollen nicht mehr mit relativ Prozent getäuscht werden, sondern wollen absolut Prozent erfahren. Petition wurde abgelehnt (2006).

 

Dieser winzigen Zahl, nämlich 1,6%-Nutznießern trägt Prof. Puhan sehr elegant Rechnung:

 

„Letztendlich wird durch Statine nur bei wenigen Personen ein Herzinfarkt oder ein Hirnschlag vermieden“.

 

Und er fährt fort: „Aber alle Personen können potentiell Nebenwirkungen erleiden“. Selbstverständlich.

Das wunderschöne an Statinen ist ja unbestritten - hab´s selbst ausprobiert -, dass das Cholesterin sinkt. Dass das LDL-Cholesterin sinkt. Und zwar dramatisch. Eindrucksvoll. Bei Frau und Mann. Ist jeder sofort überzeugt. Außer, er kann lesen. Außer, er kann sein Gehirn einschalten.

Dann käme er darauf, dass die Hälfte aller Herzinfarkte in Deutschland bei niedrigem LDL-Cholesterin geschehen. Ohne Statine. Heißt übersetzt: LDL hat mit Herzinfarkt wenig oder gar nichts zu tun.

Ist man dann noch News-geschult, weiß man: Das gefährliche LDL-Cholesterin ist nur dann gefährlich, wenn gleichzeitig Lipoprotein (a) vorhanden ist. Bei etwa 20% der Bevölkerung.

 

Und Lipoprotein (a) wird von Statinen überhaupt nicht berührt. Keinesfalls gesenkt. Die Gabe ist sinnlos.

 

Wenn wir dann noch gelernt haben, dass die - in der Not, ganz schnell nachträglich gefundenen - anderen positiven Wirkungen der Statine auf die Gefäßinnenwand, auf die Gerinnung zum Beispiel ganz präzise auch mit Magnesium erreicht werden (welches das Cholesterin freilich nicht senkt), siehe News 26.02.2018) dann fragt man sich schon….

Nun ja. Man fragt sich nicht. Man weiß natürlich.

Statine sind für mich - nach Chemotherapie - der Punkt, an dem die Schulmedizin kippen wird. Endpunkte der Pharmamedikation. Selbstverständlich alles gut gemeint und guten Glaubens zum Wohle des Patienten. Nur: Aufklärung lässt sich nicht verhindern.

Jetzt hat sogar die Schweiz zugeschlagen.

Quelle: FOCUS Online, 19.02.2019

 
 

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