Statine: Im großen Stil betrogen

03.10.2013
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Statine sind Cholesterinsenker. Werden von 4 Millionen Deutschen täglich geschluckt. 1 500 000 000 Tagesdosen werden in Deutschland von uns Ärzten verordnet. Wohlverstanden: Von uns Ärzten.

Statine wurden eingeführt als Wundermittel: Sie senken nachweislich und sicher den Cholesterinspiegel in Ihrem Blut. Kann man ja messen. Bis dann die ersten großen Studien – übrigens von den Herstellerfirmen bestätigt – erschienen. Resultat: Wenn 100 Leute so eine Tablette schlucken, dann wird zwischen null und vier Prozent der Menschen geholfen. NUR! Die restlichen 96 bis 100 Prozent schlucken umsonst. Das kann man genauer sagen:

Nur dann, wenn schon ein Herzinfarkt durchgemacht wurde, haben einige wenige Prozent etwas von dieser Tablette. All die große Masse der Deutschen, die Statine vorsorglich schlucken, nur wegen des erhöhten Cholesterins schlucken, noch keinen Herzinfarkt erlitten hatten, die schlucken es umsonst.

Nicht so schlimm. Wenn es nicht tödliche Nebenwirkungen hätte. Bekannt geworden durch Lipobay der Firma Bayer. Wie viel tausend Menschen sind da gestorben? Dabei ist die bekanntgewordene Zahl nichts-sagend. Wer weiß schon, wie viel 1000 de Patienten in kleinen Kliniken auf dem Lande an der siebten ach so notwendigen Tablette (dem Statin) wirklich gestorben sind? Das weiß niemand.

Das war Lipobay. Aber es gibt ja auch Ezetimib. Das hat kalkhaltige Einlagerungen in den Blutgefäßen nicht nur nicht verringert, sondern im Gegenteil: Die Verkalkungen nahmen zu. So eine Studie. Trotzdem schlucken 300 000 Menschen allein in Deutschland dieses Mittel – Tag für Tag (Zitat Erdmann). Hier wird, so der Kardiologe Chefarzt Erdmann, Köln,

„hier wird im großen Stil betrogen.“

Dem ist nicht hinzuzufügen. Wenn Statine überhaupt irgendeinen Nutzen hätten, so urteilt der Fachmann, dann sei dieser Nutzen „so klein, dass wir ihn vergessen können“. Hier werden Menschen wirklich zutiefst getäuscht: Die erhoffen sich nämlich, durch die vorsorgliche Einnahme von Statinen später keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Dazu Erdmann: „Das ist eine irrige Annahme“.

Im Oktober 2012 hat die FDA (USA) zusätzlich vor bisher unbekannten Nebenwirkungen der Statine gewarnt. Sie können die Herzen selbst schädigen, so Prof. Deindl von der Uni München. Statine würden die Selbstheilungskräfte, nämlich die Produktion von Bypässen des Herzens nicht nur verhindern, sondern natürliche Bypässe möglicherweise zurückbilden, so Deindl.

Über die allfälligen Muskelschmerzen, von denen meine Marathonläufer mit Statinen berichten, mal ganz zu schweigen. Und über die massive Hemmung von Q10, einen Stoff, unerlässlich für die Energieproduktion in der Zelle, wollen wir auch den Mantel des Vergessens breiten: Q10 wird um 80 Prozent vermindert. Heißt andersherum: Wenn Sie nach Statinen so unerklärlich „schlapp und schwach“ sind, ist das ein völlig natürlicher, biochemisch erklärbarer Vorgang.

Wirklich spannend ist etwas ganz anderes. Diese Fakten sind ja nun bekannt. Tatsächlich geht es um einen – grob überschlägig – mind. 50 Milliarden Dollar Markt. Die Statine. Was glauben Sie, wer gewinnt? 50 Milliarden Dollar oder schlichter menschlicher Anstand im Umgang miteinander??

Primum nil nocere, haben wir Ärzte gelobt.

Quelle: Spiegel 11/2012 S. 119

 
 
 

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