Stent, Herzinfarkt und Alpenüberquerung

24.03.2019 | Strunz
 

Passt ja nun wirklich nicht zusammen. Wie soll das funktionieren? Hat man einen Stent gesetzt bekommen (ein kleines Röhrchen, welches das verengte Herzkranzgefäß offen hält), dann kriegt man doch wohl keinen Herzinfarkt mehr. Und wer einen Herzinfarkt erlitten hat, überquert doch wohl kaum die Alpen. Passt wirklich nicht.

Nun ja. Stimmt für die Drohmedizin. Stimmt nicht in der Frohmedizin. Darum geht es in der mail des Tages.


Da hat jemand nach Herzkatheter einen Stent bekommen. Offenbar war die Ader verengt. Fünf Jahre später präzise hinter dem Stent ein Verschluss, Herzinfarkt. Der Patient nennt dies „Herzinfarkt durch Stent“. Wurde er über diese Möglichkeit vorher aufgeklärt?

Ich frage deshalb: Vorherige Woche ein Patient: Er hätte 10 Stents. Leider seien sieben schon wieder zu. Hat der das vorher so gehört? Ich glaube nicht.

Aber weiter: Nach Infarkt Operation. Vier Bypässe. Könnte man annehmen: Das war´s dann wohl.

Pustekuchen. Der junge Mann hat sich durchgekämpft. Frohmedizinisch. Und drei Jahre später mit dem Rade die Alpen überquert. Bedenken Sie bitte immer: Da gibt es Pässe. Pässe, kann ich Ihnen sagen! Was hab ich dort schon gelitten… und der schafft das nach Infarkt. Wie?


Da wird´s interessant. Wie schafft man das? Ganz sicherlich mit Disziplin und eisernem Willen. Einverstanden. Ganz sicherlich mit Training. Einverstanden. Nur: Nach Infarkt?


Schon vor der Bypass-Operation natürlich Beta-Blocker, Statine, ASS. Und jetzt weiter Zitat:

„Alle 3 Medikamente landeten schon im Krankenhaus im Müll. Nur sehr wenige Ärzte hatten dafür Verständnis. Im NEM- Bereich natürlich das Vollprogramm und hochdosiert. Jeden Morgen ne ganze Tasse voll schlucken… Grässlich!!

Mein Vertrauen war dank Ihrer Bücher, Ihrer News riesig. Meine Hausärztin meinte "ich denke, Sie machen vieles richtig". Aber Gewissheit war natürlich nicht gegeben, zumal der genetische Faktor (Lipoprotein a erhöht!!!) und das LDL- Cholesterin - trotz Laufens, trotz Low carb - mir Sorgen bereitete.

Also entschloss ich mich zur Herzdiagnostik im Krankenhaus. Anschließend Gespräch mit dem Chefarzt.

Nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich nur ASS nehme (stimmte natürlich nicht, aber die Erläuterungen mit Omega 3 etc. waren mir zu mühsam), er: " Sie geben ja Acht auf sich, aber wir müssen über Ihre Fettwerte reden". Tatsächlich lag mein LDL bei erschreckenden 200. Ich sofort: " Das Sauzeug nehme ich nicht!". Mein HDL von guten 90 war nicht von Interesse und ich musste mir einen mehrminütigen Vortrag über das Wunder ' Statine' anhören, dass er die Cholesterinlüge en detail widerlegen würde und die Pharmaindustrie aufgrund abgelaufener Lizenzen kaum noch was an Statinen verdiene.

Wir einigten uns auf ein MRT.

Heute erhielt ich vom Professor persönlich einen Rückruf und er erläuterte mir das Ergebnis.

Mehrfach gratulierte er mir zum aktuellen Zustand, natürlich unter Berücksichtigung, dass das Herz durch den Infarkt Schäden erlitten hatte. Auch im sportlichen Bereich gebe es keine Einschränkungen.
LDL war auf einmal kein Thema mehr, auch nicht, nachdem ich ihn darauf ansprach, dass Lipoprotein a nicht gemessen wurde ("auf Wunsch", "für Krankenkassen zu teuer" ... 17.95€!!!!), ebenso wenig Homocystein.
Alles uninteressant, er war nur „voll des Lobes“.


Gelernt hat der junge Mann, dass sich „die tägliche Einnahme dieser grässlichen Pillen tatsächlich lohnt. Glauben ist das Eine, wissen aber das Entscheidende“

Wenn das keine Geschichte ist. Vom Stent über den vierfachen Bypass bis zur Alpenüberquerung. Erneut und immer wieder: Die Lehrbücher der Medizin wurden geschrieben für den sitzenden Menschen. Gelten und sind korrekt.

Der laufende Mensch, also der Normal-Mensch, kommt in diesen Büchern nicht vor. Menschen, die Eigenverantwortung übernehmen, sind offenbar rar und selten.

PS: Ich kann´s mir nicht verkneifen: Haben Sie mitbekommen, dass ein Chefarzt und Herzspezialist Lipoprotein a überhaupt nicht misst? Auch nicht Homocystein? Weiß dieser Chefarzt, dass Statine das Lipoprotein a, den gefährlichsten Risikofaktor, überhaupt nicht tangieren? Es gar nicht absenken können?

 
 

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