Stiftung Warentest

26.07.2011
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hält soeben (Heft 7/2011) Selen für überflüssig, ja sogar für schädlich. Wenn es um Krebs geht. Beruft sich dabei auf Auswertung von 6 Studien. Schon 2001 gab es über 11 000, inzwischen über 20 000 Studien zu Selen. Da kann ich mir immer ganz leicht sechs passende aussuchen. Einverstanden.

Das Problem mit den Selen-Studien hatte ich Ihnen einmal erklärt. Da gibt es eben Länder wie Deutschland, in welchen man im Blut 70 ug/l misst. Als normal. Und andere Länder, in welchen 240 normal ist. Und wenn dann die kritische Schwelle für den Krebsschutz bei 135 liegt ahnen Sie: Eine Studie in Deutschland erhöht den Blutspiegel von 70 auf 100. Erreicht nicht Krebsschutz. Und eine Studie in Guatemala erhöht den Spiegel von 240 auf 270. Bringt keinen zusätzlichen Schutz. Beidemale würde die Studie sagen: Selen ist überflüssig.

Da halte ich mich lieber an Nobelpreisträger. An Professor Ames. Der weltweit berühmteste Bio-Chemiker derzeit. Von dem ich etwas über die "Triage Theorie" gelernt habe. Welche besagt, dass schon geringe Mängel von irgendeinem Vitamin oder Mineral altersabhängige Krankheiten ansteigen lässt. Hochinteressante Begründung: Von Vitaminen und Mineralien (wussten Sie das?) hängen Proteine ab. Proteine, die entweder für akutes Überleben und Reproduktion zuständig sind - die nennt er essentiell - oder die "nur" schützen vor chronischen Krankheiten - die nennt er nicht essentiell. Diese Proteine!

Fehlen also Vitamine oder Mineralien auch nur ein bisschen, dann werden die wenigen noch vorhandenen zunächst für die essentiellen Proteine verwendet. Diese werden weiter genügend produzieren. Auf Kosten der nicht essentiellen vitaminabhängigen Proteine. Die gehen baden. Das Resultat (Zitat) ist "der Anstieg innerlicher Zerstörung, ein ansteigendes Krankheitsrisiko."

Dies hat Prof. Ames schon in der Vergangenheit am Vitamin K bewiesen. Und zwar, wie er stolz berichtet, "against published evidence". Hat also die bisher veröffentlichte Meinung korrigiert.

Und genau das tut er jetzt mit Selen. Nicht mit Wischi-Waschi-Studien (haben die
80 000 Probanden denn die Kapsel wirklich genommen? Wer weiß das?) sondern weil er 12 von 25 bekannten Selenoproteinen studiert hat.

Wenn Selen auch nur ein bisschen fehlt, dann ging die Aktivität und die Konzentration der "nicht essentiellen" Selenproteine auf Null. Und damit verknüpft sind - wie er betont - altersabhängige Krankheiten, einschließlich Krebs, Herzkrankheit und Immunschwäche.

Prof. Ames, der Nobelpreisträger schlägt abschließend vor, Selenmangel als ursächlichen Faktor für diese typischen Zivilisationskrankheiten zu begreifen. Also auch Krebs. Und was meint Stiftung Warentest? Tja.

Quelle: McCann/Ames. Oakland Research Institute, California, in: FASEB Journal 2011

 

 

 
 
 

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