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08.12.2009
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Meine Lieblingsbeschäftigung. Kennen Sie das auch? Jeden Tag so 20 bis 30 Fachzeitschriften (in meinem Fall also Medizinzeitschriften) durchstöbern. Durchblättern.

Man findet immer wieder Interessantes. So in der Zeitschrift "Aktuelle Ernährungsmedizin" der DGEM, wo wir in einem Editorial über Kohlenhydrate so heitere Sätze finden wie:

"Einer hohen Kohlenhydratzufuhr bei gleichzeitiger geringer Proteinzufuhr werden beruhigende ... Effekte zugeschrieben, während eine niedrige Kohlenhydrat- bei hoher Proteinaufnahme aktivierend wirken und eine Verbesserung der Reaktionszeit zur Folge haben soll".

Ist das nicht spannend? Also wie war das: Kartoffeln beruhigen, Eiweiß macht wach. Verbessert die Reaktionszeit am Schreibtisch. Auf der Autobahn. Da frägt man sich - nein, nein, bitte keine vorschnellen subjektiven Entscheidungen! - da frägt man sich also, welcher von den zwei möglichen Zuständen für die deutsche Bevölkerung gewünscht wird. Empfohlen wird. Die Antwort finden wir im gleichen Editorial zwei Abschnitte weiter:

"Auch wenn der Kohlenhydratverzehr im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte leicht zugenommen hat, liegt die Aufnahme in unserer Bevölkerung auch heute noch unter dem erwünschten Beitrag von mindestens 50% der Energiezufuhr. Eine weitere Information und Motivation der Menschen zu einer ausgewogenen und kohlenhydratreichen Ernährungsweise ist also unbedingt anzustreben".

Unbedingt! Mehr Kartoffeln! Denn: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Und nicht etwa aufwachen.

Ist das nicht wunderhübsch? Stammt von Prof. Dr. B. Koletzko, Uni München. Ein Wissenschaftler.

Wirklich ein Wissenschaftler. Denn nur ein solcher kann den folgenden Satz prägen (eine Seite vorher):

"Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass ein regelmäßiger hoher Konsum gesüßter Getränke (Softdrinks) mit einer Gewichtszunahme verbunden ist. In prospektiven Kohortenstudien und vor allem Interventionsstudien sollten die Auswirkungen des regelmäßigen Verzehrs gesüßter Getränke näher untersucht werden".

Sollten. Näher untersucht. Also die Frage: Macht Cola dick?

Weltweit, so dachte ich, waren wir uns alle einig, dass Amerika den Beweis längst erbracht hat. Aber zwischen gesundem Menschenverstand und einem wissenschaftlich geschulten Geist sollten wir schon ganz fein unterscheiden ...

Anmerkung: Solche Artikel kann man lesen wirklich nur dann, wenn man sofort wirkende Entspannungstechniken beherrscht ...

 
 
 

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