Stress ist gsund

15.04.2017
 

Den stecken wir weg. Wir halten was aus. Wir sind zäh.

Tatsächlich war eine Maxime meines hochverehrten Chefs an der Erlanger Universitätsklinik, Tag zu Tag immer schärfer die Belastungsgrenze des Assistenten auszutesten, der die Kühnheit besaß, sich um eine rare Habilitations-Stelle zu bewerben. Und testen konnte der…!

Nun ja: Burn-out. Nimmt rapide zu in Deutschland. Auch in meiner Praxis. Erfahrung, die wohl jeder Arzt in Deutschland macht. Und der klägliche Ratschlag: „Treten Sie mal kürzer!“ verhallt notgedrungen meist – ungehört.

Den grundlegenden Fehler, den jeder Stress-Stolze (auch ich war einst so einer) macht, hat uns eine Nobelpreisträgerin enthüllt. Professor E. Blackburn. Die schon 2004 etwas außerordentlich Peinliches entdeckt hat.

  • Stress verkürzt Telomere.
  • Stress schwächt die Aktivität der Telomerase.

Sie kennen sich aus. Hier geht es um das mögliche lange Leben, das man durch Stress wegwirft. Und zwar – das ist neu – beweisbar. Vermutet wurde das schon immer.

Kommt hinzu: An diesen Telomeren hängt nicht nur die Lebensdauer, und zwar exakt nachvollziehbar, sondern hängt auch Ihre Gesundheit, besser gesagt Ihre Krankheitsanfälligkeit.

    Die raffinierte Studie der Nobelpreisträgerin wurde an gesunden Frauen durchgeführt, die entweder ein gesundes Kind oder ein chronisch krankes Kind betreuten.

    Tagtägliche Kümmernis um ein chronisch krankes Kind macht messbar Stress. Das Stress-Niveau wurde in Fragebogen ermittelt, aber eben auch im Blut bestimmt an typischen Messgrößen des oxidativen Stresses.

Resultat: Frauen mit dem höchsten Stresslevel hatten deutlich kürzere Telomere, was mindestens

10 Lebensjahren

entsprach. Ihre Körperzellen haben sich also mindestens 10 Jahre zu früh verabschiedet. Dank Stress.

Wenn man jetzt noch den nachgewiesenen Zusammenhang zwischen der Länge der Telomere, zwischen der Aktivität des Enzymes Telomerase und der Krankheitsanfälligkeit kennt – und auch der ist längst bewiesen – bekommt man plötzlich eine ganz eigenes Verständnis über die Notwendigkeit

der Meditation.

Die Sie mir einfach zu lässig mit links ablegen. So ähnlich wie Religion. Auch wieder so ein Trend. Oh nein. Meditation verlängert Ihre Telomere, aktiviert mehr Telomerase. Hält Sie länger am Leben, hält Sie viel gesünder.

Das war soeben der erlaubte Umkehrschluss.

Quelle: PNAS, Dez. 7,2004, Vol. 101, No. 49, Seite 17312

 
 

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