Tempo und Ausdauer

28.12.2010
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Manche Dinge, auch wenn noch so wichtig, kann man nicht in zwei Sätzen mitteilen. Kann man auch nicht in fünf Minuten verstehen. Manche Dinge, besonders die wichtigen, brauchen ein bisschen Zeit. Ein bisschen Einfühlungsvermögen. Ein bisschen Ausprobieren. Wissen Sie wovon ich spreche?

Ich spreche von der Fettverbrennung.

Lassen Sie es mich noch einmal ein bisschen anders versuchen. Mit dem einfachen Satz:

Kohlenhydrate sind Tempo
Fette sind Ausdauer

Eigentlich ganz einfach. Wenn Sie 1000 Meter sprinten wollen, dann tun Sie das mit den Kohlenhydraten. Anaerob. Hechelnd, keuchend, schwitzend. Mit rotem Kopf. Mit hohem Laktat. Eindeutig mit Kohlenhydraten. Gut so.

Wenn Sie 100 Kilometer rennen wollen, dann tun Sie das (fast ausschließlich) mit dem Fett. Deswegen geht das auch nicht im Ein-Kilometer-Wettkampftempo. Sondern ein bisschen langsamer. Denn Sie wissen: Für die Fettverbrennung brauchen Sie etwa 10% mehr Sauerstoff. Der Fettverbrennungslauf ist also nicht so effektiv. Kann nicht so schnell sein. Denn woher sollen denn die 10% mehr kommen? Zwangsläufig müssen Sie mit der Geschwindigkeit ein bisschen runter bei eben leider nun mal immer gleicher Sauerstoffmenge.

Soweit ist alles klar. Ist auch ganz einfach. Wissen Sie, wo es peinlich wird? Das liegt nicht an der Natur, nicht an der Physiologie, nicht an Ihrem Körper, das liegt allein an Ihnen.

Sie wollen nämlich beides.

Sie wollen Tempo und Ausdauer. Sie wollen Bestzeit. Marathonbestzeit. Und nur weil Sie so unbescheiden sind, wird das Ganze ein bisschen komplizierter.

Noch einmal: Wenn Sie ein 3-Stunden-Marathonmensch sind, könnten Sie doch ganz leicht einen 4-Stunden-Marathon laufen allein mit der Fettverbrennung. Eben langsamer. Da reicht dann die Luft. Da brauchen Sie nie etwas zu essen. Wenn Sie aber immer an der Grenze, immer an der Bestzeitmarke den Marathon herunterspulen, sind eben die Kohlenhydratvorräte irgendwann verbraucht. So etwa nach 2 Stunden. Und dann hangeln Sie sich an dem Kohlenhydratgel, das Sie ständig zu sich nehmen durch die restliche Stunde. Ja, so kann man's machen. So mach ich das.

Schwierig wird dieses "Durchhangeln" mit ständiger Kohlenhydratgeleinnahme beim Ironman. Wenn das 10 Stunden dauert. Könnte sein, dass Sie da mit den Kohlenhydraten nicht mehr hinterher kommen. Verstehen Sie.

Dann müssen Sie ein Auffang-Sicherheitsnetz haben. Dann müssen Sie eine entwickelte Fettverbrennung haben. Die ohne jegliche Kohlenhydrate auch funktionieren würde.

Sehen Sie, deshalb ist es wesentlich, dass Sie auch im normalen Training Fettstoffwechsel trainieren. Und das heißt ganz präzise: Kohlenhydratfrei trainieren. Also genau das tun, was im langen Wettkampf auf Sie zukommt. Unausweichlich. Das müssen Sie vorher trainiert haben!

Training ist also Schnelligkeit mit Kohlenhydraten, selbstverständlich, und ist das Notfall-Auffang-Netz, die Fettverbrennung, also stundenlanges Training ohne Kohlenhydrate.

Sofort versteht man das, wenn man einmal sich mit Spirometrie beschäftigt. Wenn man die Zahlen direkt vor Augen hat. Da macht es plötzlich "klick" - und man hat verstanden.

 
 
 

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