Terror einer Minderheit

02.03.2014
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Vegetarismus ist in. Veganer sind in aller Munde. Seit Monaten finden Sie auf der Spiegel-Bestsellerliste eine Anleitung für veganes Leben. Diese Ratgeber werden viele hunderttausendmal gekauft in Deutschland. Geraten wird, zu verzichten auf Fleisch, Milchprodukte, Eier. Natürlich auch auf Fisch.

Eine mir wohlvertraute Denkweise. Auch ich habe einmal den Schlachthof in Erlangen live besucht. Und war für über 10 Jahre kuriert: Wurde Vegetarier. Und meine Frau war 15 Jahre lang Veganerin. Strickt. Auch Pillen-Kapseln wurden wegen möglicher tierischer Beimengungen wenn auch in Minimalspuren abgelehnt. Will wieder einmal sagen: Wenn ich über ein Thema rede, habe ich persönliche Erfahrung.

Wissen Sie, was an diesem momentan die Presse ja beherrschenden Thema so wirklich interessant ist? Die Begründung.

  • Wann immer man bisher ein tägliches Gift, z.B. Alkohol oder Kuchen verteidigen wollte, hat man das mit dem Begriff „Genuss“ getan. So mein Schwiegerpapa: „Ich bin eben ein Genussmensch“. Sieht man. Hier, bei dieser neuen Welle, keine Rede davon.
  • Wann immer man über Ernährung spricht, denkt man an und spricht über Gesundheit. Diese oder jene Ernährungsform sei gesünder. Jetzt, zum Thema vegan oder vegetarisch, kaum eine Rede davon. Ich hatte Ihnen soeben ja gezeigt, dass man das angebliche gesünder praktisch nicht beweisen kann (News vom 29.12.13).
  • Die Begründung diesmal ist eine völlig andere: Ist eine moralische. In zweifacher Hinsicht: Um Tierfleisch zu mästen, braucht man Unmengen von Getreide, das sehr viel direkter für die Ernährung der Weltbevölkerung verwendet werden könnte. Und dann: Das Leid. Die untierischen Bedingungen, unter welchen Schlachtvieh heute herangezüchtet wird. Brutal. Da werde auch ich ganz schwermütig. Stimmt.

Sehen Sie, das akzeptiere ich. Den letzten Punkt. Weniger den unnötigen Verbrauch von Getreide, also vielmehr die Massentierhaltung. Wir kennen die Filme ja alle. Freilich: Was wir natürlich nicht sehen, sind die unendlichen Weideflächen in Argentinien. Mit freilaufenden Stieren. Was wir natürlich  nicht sehen, sind die riesigen Freiflächen in Südfrankreich, auf welchen Hühner heranwachsen. Zwischenbemerkung: Genau dieses Fleisch esse ich. Bewusst. Kann man tatsächlich kaufen. Aber weiter im Text:

Weshalb ich diesen Artikel schreibe? Weil mir soeben in der FAS eine Statistik geliefert wird. Eine Umfrage. Danach gibt es in Deutschland

3,7 % Vegetarier und Veganer

Also eine Mini-Minderheit. Und die füllt lautstark derzeit unsere Medien. Und die Bestsellerlisten der Ratgeber. Was dahinter steckt? Immer die gleiche Einsicht: Journalisten wollen Ihnen nichts Gutes. Journalisten wollen nicht aufklären, helfen, heilen. Die brauchen Storys. Die brauchen Quote. Heißt: Mediengetöse und Wahrheit sind zweierlei.

Andersherum: Sie, lieber Leser, brauchen sich nicht zu schämen, wenn Sie zu den 96,3 % Deutschen gehören. Also zur schweigenden Mehrheit.

 
 
 

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