Tiefer Einblick

31.05.2013
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Bitte folgen Sie mir heute einmal tief hinein in die medizinische Wissenschaft. In die verschlungenen Denkpfade links-hirnig gesteuerter Menschen. Die Zahlen und Fakten hinschreiben, ohne deren Bedeutung zu "verstehen". Nicht nur deren emotionale Bedeutung, sondern sogar Lebenswichtigkeit. Sie dürfen mir glauben, dass die Mehrzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen genauso konstruiert werden: Hauptsache, es wird etwas hingeschrieben. Der Zwang dahinter: Publish or perish. Nur wenn Sie genügend Veröffentlichungen produzieren, können Sie im akademischen Leben bestehen.

Hier geht es um Vitamin D. Wir verstehen ja langsam, dass dies das wohl wichtigste Vitamin und in Wahrheit ein Hormon ist. Sogar die DGE empfiehlt uns heute, die vierfache Menge einzunehmen. Und weltweit beschließt man - weil solche Einnahme-Empfehlungen ja immer nur geschätzt sind - völlig neue, aber sehr korrekte Blutwerte, nämlich

40-80 ng/ml
100-200 nmol/l

Selbst nach strengsten Maßstäben ist ein Wert unter 75 nmol/l als zu tief zu werten. Davon ausgehend lese ich soeben eine Studie, bei der mir die Kinnlade herabfällt. Nachdem ich sie studiert habe. Es geht hier um den Zusammenhang zwischen

Vitamin D und Langlebigkeit

Ein Teil der sogenannten "Leiden Longevity Study". Die behaupten doch tatsächlich, dass Menschen mit tiefem Vit D-Spiegel länger leben. Das war's auch schon. Bewiesen an Kindern von 90 Jährigen. Und zwar von 90 jährigen Zwillingen. Man weiß, dass deren Kinder grundsätzlich statistisch länger leben. Stimmt.

Und hat jetzt gezeigt, dass die Kinder von 90 Jährigen, also genetisch langlebige Menschen, einen tieferen Vitamin D-Spiegel hatten als ihre Lebenspartner. Lebenspartner als Kontrollen gesehen.

Das ist zugegebenermaßen verblüffend. Besonders deshalb, weil wir ja wissen, dass Vitamin D die Telomere verlängert. Längst bewiesen. Dass Vitamin D also das Leben verlängern müsste und hier steht tatsächlich das Gegenteil.

Jetzt kommt's: Guckt man sich die Zahlen an, erschrickt man. Vitamin D-Mangel heißt hier 64,3 nmol/l, verglichen mit den Kontrollpartnern: 68,4 nmol/l.

Praktisch kein Unterschied. Die nennen 64 einen Mangel, verglichen mit 68. Selbst nach strengsten Kriterien ist jeder Wert unter 75 als tief zu werten.

Und tatsächlich beginnt Leben nach heutigem Wissen bei Werten über 100.

Bitte nehmen Sie das als typisches Beispiel. Als Beispiel dafür, dass man wissenschaftliche Studien wirklich erst lesen muss. Sorgfältig. Jede einzelne. Und dass man eben nicht, wie Journalisten dies (selbstverständlich notgedrungen) tun, sich auf die Überschrift verlässt und dann reißerische Artikel im Spiegel, im Focus, in der Welt, in der Frankfurter schreibt.

Hier geht es nicht um ein paar Schuhe, hier geht es um unser aller Gesundheit und Leben.

 

 

 
 
 

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