Tschernobyl

31.05.2016
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30 Jahre danach. Ein Lehrstück für Hormesis. Die Lehre von der Anpassung. Von der tröstlichen Gewissheit, dass der menschliche Organismus nach einem Schaden sogar noch stärker werden kann.

Darauf beruht ja unser ganzes sportliches Training.

Gilt auch für Radioaktivität. Demonstriert uns Tschernobyl 30 Jahre danach. Natürlich: Damals tausende Tode. Dem Botschafter der Ukrainer ist einmal die Zahl "300.000 Geschädigte" herausgerutscht. Werd´ ich nie vergessen. Noch heute, in der zweiten Folge-Generation der menschlichen Bevölkerung sollen "nur 20% der Kinder in der Ukraine und Weißrussland gesund sein, im Vergleich zu 90% vor dem Unglück".

Was soll man darüber reden? Ändern kann man´s ja nicht. Und Vorsorge? Schlagen Sie die Zeitung der vorigen Woche auf. Der Mensch ist beratungsresistent. Zum Glück hilft die Natur. Hormesis. Die wird auch mit schlimmen Dingen fertig. Wir wissen heute:

Die Tiere um Tschernobyl haben sich der Strahlung angepasst.
Anfangs natürlich vielfältige Deformationen bei Pflanzen und Tieren, eine starke Erhöhung von Fehlgeburten und dadurch starke Dezimierung der Tierpopulationen.

Heute aber: Keine Dezimierung mehr erkennbar. Die noch heute herrschende Strahlung ist kein Begrenzungsfaktor für die Populationsentwicklung. Überraschung. Hintergrund?

Ich hatte Ihnen einmal berichtet: In den Blutproben einiger Vogelarten fand sich erhöht, das körpereigene Antioxidans Glutathion, das ja die durch Strahlung vermehrt entstehenden freien Radikale abfängt.
Sie erinnern sich: Radioaktive Strahlung wirkt durch freie Radikale. Ein banaler Mechanismus, dem man natürlich begegnen kann. So die Tiere. Sie bilden einfach mehr Glutathion.

Darüber hinaus fand sich bei den Tieren heute eine "bessere körperliche Fitness" sowie "weniger DNA-Schäden" im Vergleich zu schwach belasteten Gebieten, also bei uns. Eine kleine Vergiftung kann also stärker machen!

Das dumme daran: Eine Studie an Mäusen von 1988 zeigte, dass dieser Selektionsprozess 20 Generationen lang dauerte, um eine strahlungsresistentere Population zu entwickeln.

20 Generationen! Da können wir Menschlein noch ziemlich lang warten, bis wir von Tschernobyl profitieren. Tiere sind kurzlebiger. Die haben´s leichter.

Quelle: idw-online.de/de/news650190