Tut Kindern gut

02.11.2015
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Lautet der Titel einer Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Also der höchstens Instanz in unserem Land. Und weil das selbstverständlich die gescheitesten Menschen in diesem Lande sind, heißt der Untertitel prompt:

    Ernährung, Bewegung und Entspannung.

Da freuen wir uns. Sie und ich. Bewegung, Ernährung, Denken ist ja unbestreitbar die Trias, welche unser Leben komplett beschreibt. Die Forever Young Philosophie. Ein Ableger davon: Die Frohmedizin.

    Bewegung? Brauchen Sie Kindern nicht zu erklären. Die lernen das Krabbeln, das Laufen, das Rennen ganz allein. Und die tuns auch. Ganz besonders, wenn sie von anderen Kindern umgeben sind.

    Entspannung? Pausen machen Kinder ganz von allein. Brauchen Sie denen nicht zu erklären. Mir unvergesslich der Kinderlauf um den Davoser See. Alle paar hundert Meter hielten die Kinder gruppenweise an, verschnauften, setzten sich hin, plauderten, um dann… wieder weiter zu rennen. Hier sind Kinder noch eins mit der Natur.

    Ernährung? Das Kind wird das essen, was es bekommt. Wenn es in Grönland eben nur Walfleisch gibt, wird Walfleisch gegessen. Und wenn sie in Deutschland die ganze Auswahl von ALDI oder LIDL haben, dann wird eben bunt, vielfältig, reichhaltig gegessen. Oder? Jedenfalls sind die Kinder hier von Ihnen, von den Eltern abhängig. Na, dann schauen wir doch mal, was die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (ausdrücklich: gesundheitliche!) zum Thema Ernährung zu sagen hat:

    WAS? Wird genau definiert: „Sie sollten die Vielfalt der Lebensmittel nutzen: Wasser, Säfte, Brot, Brötchen, Müsli, Nudeln, Kartoffeln, Reis, Obst, Gemüse, Milch, Käse, Joghurt, Wurst, Fleisch, Eier, Fisch.“

Das war´s dann. Die Vielfalt der Lebensmittel. Wohl verstanden: Lebensmittel. Was lebt in einer Nudeln noch? Die ist komplett vitaminfrei, die Elektrolyte sind rausgekocht und übrig bleibt leerer Müll. Nennen die Lebensmittel.

Die, das sind die klügsten Menschen Deutschlands. Erwartet man ja in einer Bundeszentrale.

Das gesündeste in dieser Aufzählung dürfte sein Gemüse und Fisch. Gucken Sie mal, an welcher Stelle das steht. Fisch ganz zuletzt. Aber der Zucker, die leeren Kohlenhydrate ganz vorne. Massiv aufgereiht. Und da wundern Sie sich?

Da wundern Sie sich über die „epidemische Zunahme“ (Zitat) der Fettsucht unter Kindern? Des Diabetes unter Kindern? Des Bluthochdruckes unter Kindern? Der überproportionalen Zunahme von Kinderkrebs?

Erinnern Sie sich noch an Professor Thomas Junker? Der lehrt Geschichte der Biowissenschaften an der Uni Tübingen und Göttingen. Und meint wörtlich zum Thema:

    „Auch kann man es vorziehen, sich weiterhin auf offizielle Ernährungsempfehlungen zu verlassen, die offensichtlich das Ziel verfolgen, viele Menschen relativ günstig zu ernähren und mit Quantität statt mit Qualität abzuspeisen, mit allen negativen Folgen, die damit für die Gesundheit und die Lebensqualität verbunden sind.“

Professor Junker setzt dem entgegen die (ausdrücklich) Kraft aus zwei Millionen Jahren Menschheitsentwicklung. Ganz konkret:

    Kohlenhydrate: „Vor allem aus Gemüse und Obst, möglichst wenig aus Getreide und Zucker“.

Also das Gegenteil von dem, was die klügsten Menschen in Deutschland in der Bundeszentrale so von sich geben. Wenigstens unsere Kinder sollten uns ein bisschen Überlegung und Wahrheit wert sein. Wenn wir selbst es uns schon nicht sind. Herr Minister Altmaier, Frau Ministerin Nahles.

 
 
 

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