Und die Kenianer?

11.04.2012
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Es gibt begnadete Ausnahmen. Eine solche, nämlich ein junger Mann von 52 Jahren, stellt mir die klug formulierte Frage: "Was ist bei den Kenianern dann anders?" Er meint speziell die Ernährung. Weil dieser junge Mann seinen Marathon in 2:45 abspult, also schneller als ich jemals, neige ich mein Haupt und höre ihm zu.

Der junge Mann trainiert nämlich jedes Jahr mit kenianischen Spitzenläufern. Und weiß sehr präzise zu berichten, dass diese Herren ganz anders essen. Nämlich 75% Kohlenhydrate (Maismehl), 12% Fett (Öl), und etwa 13% Eiweiß. Keinerlei Nahrungsergänzungsmittel. Wie würde denn das zur Low Carb oder No Carb Ernährung passen?

Die Antwort ist ganz einfach.

Diese Kenianer sind bereits am Ziel. Ein Ziel, das Europäer, auch europäische Läufer sehr selten erreichen. Einen Hinweis auf das "Ziel" gibt seine Angabe, diese Wunderläufer würden 58 kg wiegen. Das bedeutet bei angenommenen 1,78 cm einen BMI von 18,3. Also unterste, allerunterste Grenze. Sie könnten auch sagen: Dürr. Jedenfalls haben diese Herrschaften - und das ist das Entscheidende - keinerlei Körperfett mehr. Geschätzt 2-4%.

Das war's eigentlich schon. Will sagen: Diese Herrschaften trainieren wirklich. Ich meine: Wirklich! Die sind am Ziel.

Jetzt kommt's: Und die trainieren weiter. Auch ohne jegliche Fettreserve am Körper, die sie für die Verbrennung, für die Laufleistung heranziehen könnten, trainieren die weiter hart und ausgiebig. 30 - 40 km tgl. Täglich! Dafür braucht der Mensch Energie. Selbstverständlich. Zur Verfügung haben wir Kohlenhydrate und Fett. Und die Kenianer wählen, weil sie das eben in ihrem Land zur Verfügung haben, die Kohlenhydrate. Ist dem Körper auch recht.

Und verbrennen die. Wieder so ein entscheidender Gedanke. Die verbrennen die heute gegessenen Kohlenhydrate wirklich komplett. Da wird nichts - wie in Europa - in der Nacht in Fett umgewandelt und auf der Hüfte deponiert, sondern die bleiben gertenschlank.

Rein theoretisch könnten die selbstverständlich ihre Energie auch aus 80-90% Fettanteil der täglichen Kalorien beziehen. Das nennt man in Europa Krebskost (Frau Prof. Kämmerer, Würzburg). Hat uns ja schon die Chemikerin Budwig verraten. Nur wissen wir ja: Für die Verbrennung von Kohlenhydraten braucht der Körper ein bisschen weniger Sauerstoff. Er kann also mit gegebenem Sauerstoff ein bisschen schneller rennen.

Und das tun die Kenianer. Auch im Training. Jeden Tag. Bringt mich wieder zu meinem ja schon Mantra: Läufer (wirkliche Läufer!!!) können essen, was sie wollen.

Und Nahrungsergänzungsmittel brauchen die in Kenia nicht, weil da noch genug im Boden ist. Noch genug in der Nahrung ist. Weil die nicht bei Lidl einkaufen. Hier freilich gibt’s den leisen Einwand: Wie lange geht das gut? Denn leichte Defizite werden die bei der gewaltigen körperlichen Leistung sehr wohl bekommen. Merken die aber auch erst 10,20 Jahre später. Dann sind sie längst keine begnadeten Läufer mehr.

Zurück zur Frage: Was ist bei den Kenianern dann anders? Antwort: Gar nichts. Das sind einfach echte, wirkliche Läufer. Zu diesem Thema dürfen Sie sich gerne bei Peter Greif ein paar Erläuterungen abholen ...

 

 
 
 

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