Unerschöpflich...

21.03.2019 | Strunz
 

…sind Sie, ist Ihr Erfindungsreichtum, wenn es darum geht, mir immer wieder neue Molesten zu schildern. Unpässlichkeiten. Schmerzpunkte. Krankheiten. Immer wieder bin ich schwer beeindruckt.

Von Ihnen.

Kaum habe ich so ein bis zehn Probleme Ihres Lebens gelöst, kommen Sie mit dem elften. Unausweichlich. Per mail. Jeden Morgen bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, was heute wohl wieder für Einfälle aus Ihnen heraussprudeln. Einfach mal gesund sein, einfach mal normal leben…. ist offenbar vielen von Ihnen viel zu langweilig.

Solche Gedanken kamen mir soeben bei den mails eines jungen Mannes. Der sich ganz allgemein fürchterlich fühlte, also schlapp, müde, energielos und an ständigem Durchfall litt.

Ständiger Durchfall.

Als Ursache stellte sich (diagnostiziert durch einen anderen Facharzt) eine chronische Pankreatitis heraus. Mit exokriner Pankreasinsuffizienz. Heißt: Die Bauchspeicheldrüse versagt langsam. Spuckt zu wenige Enzyme aus. Dann kann kaum noch verdaut werden, der Körper reagiert mit Durchfall.

Abhilfe war einfach: Täglich 12 Tabletten Bauchspeicheldrüsen-Enzyme. Kann man in der Apotheke kaufen. Das half tatsächlich deshalb, weil wir vorher schon alle möglichen Blutwerte korrigiert hatten, sein Immunsystem gestählt hatten.


Verstanden? Oft hilft eine einzige Medizin. Dann nämlich, wenn Sie sonst völlig in Ordnung sind. Selten der Fall.

Deswegen hilft das gleiche Rezept eben nicht auch Ihrem Nachbarn.


Jedenfalls bedankt sich der junge Mann zwei Jahre später. Wenn man jetzt denkt: geschafft, geheilt, der Mann ist zufrieden….dann verweise ich lächelnd auf die Einleitung. Zufrieden? Sind Sie nie….Dann mal los:


„Ich wollte mich nochmals bedanken für die vielen Tipps.

1.    durch die Ernährungsumstellung brauch ich keinerlei Tabletten mehr, kein Durchfall, nichts mehr - alles wunderbar

2.    Rücken: Sie hatten mir ja zu Kieser Training geraten, mache ich jetzt seit 1 1/2 Jahren - keinerlei Rückenprobleme mehr...

auch sonst fühle ich mich sehr gut, bleibt ein einziges Problem:

Ich sehe es nicht so dramatisch, würde aber trotzdem gerne joggen gehen:

Ich kann einfach nicht länger joggen, die Waden machen jedes Mal zu und werden knallhart. War jetzt wieder in Fuerte am Strand (alles flach - keine Berge wie bei uns) laufen, 3 Minuten - Feierabend. Wie gesagt, ich kann "normal" gehen, aber vielleicht haben Sie ja noch einen guten Tipp für mich!“


Haben Sie den kleinen frohmedizinischen Schlenker verstanden? Schulmedizin glaubt, der brauche zeitlebens Enzyme. Weil die Bauchspeicheldrüse schmollt. Frohmedizin weiß es besser. Wir wissen das nicht nur, sondern wir beweisen das ja auch. Inzwischen täglich. Hat mein Universitäts-Weltbild dramatisch geändert.

Herzenswunsch: Es möge sich auch das Medizin-Bild meiner Kollegen ändern. Sind wir nicht ALLE zum Nutzen der Patienten angetreten?

Weiter: Hoffentlich haben Sie auch gelächelt. Bei der Fortsetzung dieser mail: Schon wieder ein neues Problem. Knallharte Waden beim Joggen. Gefragt werde ich, der Internist, der Gastroenterologe.

Weshalb fragt der nicht einen Orthopäden? Einen Osteopathen? Einen Neurologen? Die haben das doch studiert. Antwort ganz einfach: Die können ihm nicht helfen. Wieder einmal. Natürlich nicht. Des Rätsels Lösung? Einfach. Es ist nie (selten) der Muskel selbst. Bei dem jungen Mann ist es auch nicht Elektrolytmangel. Der hat inzwischen Molekularmedizin genügend gelernt. Bleibt nur noch


die Vorspannung

 

der Muskulatur. Die Wade ist vorgespannt, schon wenn er los läuft. Das geht gut beim Gehen, das geht schief beim Joggen, beim Rennen. Der Muskel wird knallhart, dann reißt er. Typisches Krankheitsbild beim Profi-Fußballspieler:


der Muskelfaserriss

 

Abhilfe? Muskel massieren nützt nichts. Dehnen nützt nichts, im Gegenteil. Magnesium, Kalium hilft leider nicht. Es gilt, zu verstehen, weshalb der Muskel vorgespannt ist. Schuld ist L5/S1. Vulgo der Ischias. Der wird da oben belästigt und gibt dem Wadenmuskel ein falsches Kommando: Spann dich an. Das war's.

Abhilfe? Geht von beliebig einfach bis beliebig schwierig. Beginnen würde ich mit Faszientherapie, also manueller Therapie. Deswegen so erfolgreich, weil sie nicht nur den „Schwachpunkt“, sondern ganze Muskelketten behandelt.

Muskelaufbau (MedX) dürfte wenig bringen. Wirkliche Abhilfe zunächst durch Streckübungen, in Wahrheit durch „Aufrichten“. Eine andere Körperhaltung. Dazu braucht man Monate.

Hilfreich hier die zwei bereits genannten Bücher von Helga Pohl (News vom 29.7.18) und Liebscher/Bracht (News vom 28.1.19)

Wenn Sie mal kurz etwas Abstand nehmen von solchen konkreten Problemen: Weshalb fragen Sie immer mich? Sie mit Ihrem Fußpilz? Mit Ihrer laufenden Nase? Mit Ihrer Sehschwäche? Mit Ihrer Polyneuropathie? Mit Ihrer Kniearthrose? Ihrer Psoriasis? Wir können die Liste gerne zwei Seiten weiter füllen.

Wieso ich? Deutschland wimmelt von Experten. Wir sind 450.000 Kollegen.

Was Sie da gerade durch die Blume mitbekommen heißt: Mäßigen Sie sich. Die Masse an täglichen mails wird zu viel. Irgendwann hab ich auch keine Lust mehr.

 
 

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