Unser Lebenslauf

26.12.2016
 

Naiv, wie ich war (bin?), habe auch ich mir den Lauf meines Lebens recht einfach vorgestellt: Bergauf. Eine gerade Linie, ständig nach oben. Man wurstelt sich durch die Schule, durchs Abitur, durchs Studium, durch die Assistentenzeit, und wird dann irgendwann Professor in einem großen Altbau-Zimmer, in dem man viel lesen und sinnieren kann.

Hab ich gedacht.

Ach du meine Güte. Jeder von Ihnen wird wohl spontan über diese Naivität lächeln. Nur: Wir alle haben so unsere Bilder. Meines war offenbar recht behütet. Ich musste mich nur anstrengen, damit diese Linie wirklich nach oben verlief. Also habe ich mich über Mühe und Anstrengung nie beschwert.

Tja.

Schickt mir einer von Ihnen heute (es gibt so böse Menschen) das unten stehende Bild zu. Nach einem längeren Lachanfall kamen mir dann doch ein paar ernste Gedanken. Jeder Leistungssportler ist mir überlegen. Weiß mehr. Weiß, dass „Lebensläufe“ eben nicht geradlinig verlaufen. Dass man die olympische Goldmedaille nicht „freilich mit größter Anstrengung, aber eben doch zwangsläufig“ bekommt. Dass zwischen uns und dem Erfolg viele Fallgruben sich auftun können. Heißt beim Sportler:

  • Verletzungspause
  • Unterbrechung durch Krankheit
  • Motivationsloch
  • Das erste Kind

Vom üblichen Übertraining mit resultierenden „unerklärlichen Leistungsverschlechterung“ trotz Trainings mal ganz zu schweigen. Genau das soll wohl auf der Zeichnung unten ausgedrückt werden.

Jetzt kommt´s: Wie ändert sich eigentlich die eigene Lebenseinstellung, wenn man die untere Zeichnung von vorneherein erwartet? Als real akzeptiert? Höhen und Tiefen gar nicht als solche wahrnimmt, sondern als… völlig normal? Die Antwort ist ganz einfach:

    Man wird frei.

Frei von den üblichen Zwängen, vom schlechten Gewissen, von verbohrter Überanstrengung und so weiter. Man lebt einfach, man trainiert einfach und pfeift sein Lied…

Wie das übrigens jeder Spatz tut. Was glauben Sie, wie dessen Leben verläuft? Obere oder untere Zeichnung? Ganz gewiss die untere. Der bricht sich auch mal den Flügel. Hat auch mal nichts zu essen. Nur: Für den ist das… NORMAL. Genau der Unterschied zu uns Menschlein.

Fazit: Verabschieden Sie sich von der oberen Zeichnung. Akzeptieren Sie mit innerlichem Lächeln die Höhen und Tiefen und – wenn Sie das können – stürzen Sie sich sogar lustvoll in diese kleinen Abgründe. Alles eine Frage der Einstellung. Soll heißen:

Stress kann man auch genießen. Kann man umtaufen in „intensives Leben“. Klingt schon viel besser. Es zählen wirklich nicht die Tatsachen im Leben. Es zählt Ihre Einstellung dazu. Deswegen war mir das Bildchen unten so wertvoll.

Bild Ziele erreichen
 
 

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