Unsterblichkeit

29.05.2015
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Gibt`s längst. Vergessen wir leider. Denken nicht genügend nach. Ich möchte jetzt nicht von irgendwelchen Amöben sprechen, sondern von uns. Dem Menschen. Unsterblich?

Wittgenstein sagt ganz richtig, dass, wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, jener Mensch ewig lebt, der in der Gegenwart lebt.

Das war`s auch schon. Gar nicht so kompliziert. Mir soeben im Straßenverkehr aufgefallen. Menschen, die ewig leben:

Dorfstraße. Eine Ampel für Fußgänger. Gedrückt von Kindern aus der Schule. Die hinüberhuschen. Eine kleine Nachhut schafft es nicht rechtzeitig. Fußgängerampel schon wieder rot.

Ich als Erwachsener würde mich ärgern. Würde vielleicht gerade noch hinüberrennen. Zeit sparen. Dem Ziel näher kommen. Oder eben abwarten und ungeduldig auf den Füßen treten. Wann endlich schaltet das um usw…

Kinder? Ist denen völlig wurscht. Die akzeptieren, dass sie es gerade nicht geschafft haben. Bleiben ruhig stehen. Drücken erneut auf den Knopf. Kleinkinder werden hochgehoben, dürfen auch auf den Knopf drücken. Lustiges Spiel. Gleich noch mal. Kinder daneben beobachten den Straßenverkehr. Guck mal….ein Auto! 

Will sagen: Dem Kind ist es völlig gleichgültig, ob es jetzt noch den Weg über die Straße geschafft hat oder stehen bleiben….muss? Darf? Auch das Stehen hat den gleichen Lebenswert. Ist das gleiche Lebens-Spiel. Knopfdrücken. Sich unterhalten. Autos zählen. Und dann eben lossprinten, wenn erneut grün aufleuchtet.

Kinder leben nicht zielgerichtet. Sind nicht in ständiger Spannung, Stress, Ungeduld. Die leben jetzt. Die leben in Un-Zeitlichkeit, wie Wittgenstein das nennt.

Drum sind Kinder, jetzt in diesem Moment, unsterblich. Sie alle kennen dieses Gefühl von früher!

Meine Unsterblichkeit habe ich verloren mit 62. Mit dem Unfall. Plötzlich wusste ich – das erste mal in meinem Leben – dass ich verletzlich war. Dass ich auch…sterben könnte. Habe ich vorher einfach nicht „gewusst“. Davon gab`s kein Bild in mir. Sie kennen das alles…

Ist das nicht ein wunderschöner Gedanke von Wittgenstein?

 
 
 

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