Verräterische Reihenfolge

09.08.2012
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Epigenetik wird langsam, langsam zum zentralen Thema in der Medizin. In der wissenschaftlichen Medizin. Nicht draußen in der Praxis... Epigenetik, also die Frohbotschaft, dass wir unsere Gene selbst in der Hand haben. Unser Leben selbst bestimmen können.

Dass sich beispielsweise mein Diabetes-Gen (aktiv beim Großvater, der Großmutter, der Mutter, dem Onkel, dem Bruder), dass sich mein Diabetes-Gen selbstverständlich stumm schalten lässt. Dass ich selbstverständlich niemals in meinem hüpfenden, springenden, schlanken Leben Diabetes Typ II entwickeln kann. Ich denke, Sie haben den Punkt verstanden.

Epigenetik war das zentrale Thema auch einer Festrede des Internisten-Kongresses der "Deutschen Gesellschaft für innere Medizin" in Wiesbaden. Nur eben...die Worte, die Sätze, die Reihenfolge der Gedanken waren wieder einmal so verräterisch. Genießen Sie doch einfach einmal mit:

Professor Lehnert doziert vor dem Plenum:

"Gerade für die Tumorbiologie und Tumortherapie sind epigenetische DNA-Veränderungen von entscheidender Bedeutung und zahlreiche neue Medikamente, die diese Mechanismen beeinflussen, sind bereits zugelassen oder noch in der Entwicklung."

Derzeit erschließe sich ein "neues und wissenschaftlich basiertes ganzheitliches Konzept der individualisierten Medizin".

Der Hintergrund dafür sei die Erkenntnis, "dass auch Lebensumstände, belastende oder positive Ereignisse, Ernährung...epigenetisch bedeutsam sind."

Mitbekommen? Erst geht's mal um zahlreiche neue Medikamente. Um die Pharmaindustrie. Die unsere Gene ins Gute wenden sollen. Kann ich nur sagen: Viel Glück! Wohl bekomm's!

Und erst in zweiter Linie geht es um die Natur. Geht es um Frohmedizin. Geht es um die Lebensumstände, also den Lifestyle. Geht es um Ernährung. Also um alles das, was der Mensch selbst - ohne Pharmaindustrie - in der Hand hat.

Dass schon Albert Schweizer 1913 sich gewundert hat, unter seinen Tausenden von Patienten in Schwarzafrika nicht einen einzigen Krebskranken gefunden zu haben…zeigt uns, dass es sehr wohl ohne jede Pharmaindustrie geht. Dass sehr wohl der Lebensstil tausendfach stärker über Gesundheit und Krankheit entscheidet als jede bunte Pille.

Aber wenn selbst einer der berühmtesten deutschen Internisten, Professor Lehnert, das weder einsieht noch verkündet...dürfen Sie sich über Ihren Hausarzt nicht wundern. Der wird Ihnen bei Bluthochdruck folgerichtig eine Tablette verschreiben.

 

 
 
 

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