Viktor Röthlin

30.10.2015
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Ist nicht nur Schweizer (Respekt!), sondern auch der schnellste weiße Europäer im Marathon. 2007 noch gemächliche 2:08:20 h, steigerte er sich 2008 auf 2:07:23 h. Unerreicht. Für Deutsche. Damals, als er beschloss, Läufer zu werden, lag der Marathon-Weltrekord bei 2:08:19 h. Den hat er sozusagen „gepackt“. Bewundernswert.

Für Sie von Interesse die drei wichtigsten Schlüsselpunkte seiner Trainingsphilosophie:

  • Das Training mit leerem Magen. „So wird das Fettverbrennungssystem besser trainiert.“
  • Lang und hart: „Die langen Trainings (36, 38 km) sind nicht langsam, sondern hoch intensiv bis hin zum Marathon-Wettkampftempo.“
  • Mentale Stärke: „ich musste aufhören, wie ein Europäer zu denken. In einem Rennen darf man sich keine Barrieren setzen, so wie das Europäer meist tun. Kenianer gehen viel unbelasteter zur Sache.“

 

Zu Punkt eins brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Für Sie alle inzwischen selbstverständlich. Auch wenn Sie es persönlich vielleicht nicht durchhalten… aber die Idee ist Ihnen vertraut. Wenn Sie glauben, das sei inzwischen ja bekannt, so täuschen Sie sich fürchterlich. Wenn Sie wüssten, was ich für Post bekomme. Wie ich auch von Spitzensportlern zum Deppen erklärt werde. No carb? Völliger Quatsch!

Nun ja. Dafür gibt es ja eine Stoppuhr. Wer schneller ist, wie Viktor, hat recht.

Lang und hart… ist eine Frage der Mentalität. Wenn Sie Neurotiker sind, können Sie ja gar nicht anders. War mir von vorneherein selbstverständlich. Zeit zum Vertrödeln hatte ich nicht als Kassenarzt. Auch hier spricht die offizielle Trainings-Lehre heute noch anders. Nun ja: Effectiveness is the measure of truth (Huna)

Mentale Stärke, das ist es natürlich. Erinnern Sie sich? „There are no Limits“ (Huna). Wenn man den Satz richtig versteht…

… hat Viktor offenbar geschafft. Da geht es nicht darum, sich eine 2:001:00 h als Marathonzeit vorzunehmen, sondern da geht es darum, sich eben nichts vorzunehmen. Sich keine Barrieren aufzubauen. Kann ich nur aus persönlicher Erfahrung sprechen: Ich „wusste gar nicht“, worum es in dem jeweiligen Wettkampf ging. Ich kannte keine Vor-Zeiten, kannte die Konkurrenz nicht, ich kam einfach aus der überfüllten Praxis, bin rasch gelaufen und schnellstens wieder heimgefahren (nach den 100km Biel saß ich 4,5 Stunden später wieder am Schreibtisch), ohne duschen. Ich musste arbeiten.

So „vergisst“ man sich Grenzen zu setzen. Sich Barrieren aufzubauen. Man läuft einfach. Zatopek: „Da ist der Start, dort das Ziel, dazwischen wird gelaufen“. Goldrichtig: Gelaufen. Punkt. Sich angestrengt. Punkt. Wenn´s nicht weh tut, kann ich auch daheim bleiben.

Also wird man an der eigenen, an diesem Tag persönlichen Obergrenze performen.

Von Viktor noch eine zweite, hochwichtige Einsicht. Wegen eines „kompletten Beckenschadens“ wurde ihm von Orthopäden empfohlen, das Becken zu verschrauben. Jetzt Viktor:

  • „Gott sei Dank bin ich diesem Rat nicht gefolgt und habe die alternative Behandlung mit Osteopathie, Biomechanik und Physiotherapie mit Erfolg absolviert.“

 

Operieren, schrauben, nageln… das machen wir alle gerne. Seit Kindheit. Nach meiner ganz persönlichen Erfahrung scheint das immer alles sehr logisch, aber im Ergebnis in der Mehrzahl der Fälle enttäuschend. Also unbedingt und immer Alternativen ausschöpfen. Hören Sie auf einen 2:07 h – Marathonläufer. Solche Menschen wissen, was ein Körper ist.

Quelle: FITforLIFE 9-15, Seite 64

 
 
 

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