Vitamin D

01.01.2015 | Strunz
 

Manchmal verrät ein einziger Satz, eine einzige Überschrift eine neue Wahrheit. Oder andersherum: Enthüllt eine einzige Headline jahrzehntelangen Irrtum unserer Ernährungsexperten, unserer Ärzte. Ich meine die vier Worte


Nonclassic actions of vitamin D


Titel einer wissenschaftlichen Veröffentlichung in J Clin Endocrinol Metab. 94;26:2009

Der Titel sagt uns, dass es anscheinend klassische Wirkungen von Vitamin D gibt und dann –
deshalb die neue Arbeit – nichtklassische. Klassisch kennen wir: Vitamin D ist ein
Knochenvitamin. Nicht klassisch ist die Erkenntnis, dass
Vitamin D das „Allround‐Hormon des Körper“ sei, dass Vitamin D schützt vor


  • Herz/Kreislauferkrankungen
  • Diabetes
  • Das Immunsystem stärkt
  • Tumorwachstum hemmt
  • Nervenzellen schützt
  • Multiple Sklerose und Depressionen zumindest lindert (verhindert)

Die aufgeführten doch recht sensationellen Erkenntnisse sind neu. Die Wissenschaft ist eben
nicht bei „Vitamin D ist ein Knochenvitamin“ stehen geblieben.

Stehen geblieben ist das Denken, das Denken über Vitamine bei vielen unserer
Ernährungsexperten, unserer Ärzte. Beispiel: Vitamin C taugt halt gegen Skorbut. Punkt.
Deshalb die langsam lächerliche empfohlene Mengenangabe von etwa 150 mg täglich.
Richtig gegen Skorbut. Stehen gebliebenes Denken.

Und das gilt für praktisch jedes andere Vitamin. Erst ganz, ganz langsam wachen wir auf. Und
beginnen uns auch um andere Wirkungen (Vitamin C verhindert Krebs) zu kümmern, dann
aber auch um ganz andere Dosierungen. Deshalb waren die neuen, etwa 20‐fach höheren
erlaubten Vitamindosen der EU so hilfreich (News vom 30.01.2009).

Zurück zu Vitamin D: Auf einmal fällt dann eben auf, dass dieser ungeheuerliche Satz, heute
noch zu hören und nachzulesen, so völlig daneben liegt. Der Satz „Vitamine haben wir alle
genug. Man muss sich nur ausgewogen ernähren“.

Heute gilt laut Robert‐Koch‐Institut, dass mehr als die Hälfte der Deutschen in allen
Altersgruppen zu niedrige Vitamin‐D‐Blutspiegel haben (Eur J Clin Nutr 62;1079:2008).

Dass je nach Bezugswert sogar 90% der Kinder und Jugendlichen einen Vitamin‐D‐Mangel
aufweisen (J Nutr 138;1482:2008). Bei älteren Menschen sind mehr als 70% betroffen.

So viel zu der Gebetsmühle: Vitamine haben wir alle genug. Dass man hier langsam aufwacht
in Deutschland, lässt mich als Arzt sehr wohl aufatmen.

Langsam aufwacht? Auch heute hat jeder zweite meiner Patienten erschreckenden Vit D-Mangel. Es ist IHR Leben, Ihre Lebensenergie, Ihre Lebensfreude!

 
 

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