Vitamin K und die Triage

08.06.2017
 

Den Begriff kennen Sie aus der Katastrophenmedizin. Wenn nur begrenzte Medizinische Mittel zur Verfügung stehen, werden Patienten in der Katastrophenmedizin eingeteilt in aufschiebbar und in vordringlich zu behandelnde Verletzte. Im Kriege oft genug gar nicht behandelbare. Für die gab es Morphium.

Dieses zwangsläufig gnadenlos scheinende Spiel spielt die Natur mit uns jeden Tag. Mit jedem von uns. Darauf gekommen ist – wer sonst – Prof. Bruce Ames (News vom 31.3.16 und auch noch 11.6.2007). Prof Ames ist aufgefallen, dass ein Mangel an Vitaminen und Mineralien Langzeitschäden an der DNA verursacht. Also unseren Genen. Ohne dass sich das gleich oder in den nächsten Jahren bemerkbar machte. Seine Frage: Weshalb erlaubt uns Mutter Natur langzeittödliche Vitaminmängel, ohne uns jetzt, heute, im nächsten Jahr (per Krankheit) darauf aufmerksam zu machen?

Die Antwort heißt Triage. Mutter Natur benutzt unsere oft zu geringen Vitaminmengen, um kurzfristig unser Überleben zu sichern. In den ersten 30 Jahren mit dem klaren Ziel der Fortpflanzung. Was danach kommt … wird geopfert. Die unausweichlichen DNA-Schäden führen zu den üblichen Alterskrankheiten und verfrühtem Tod.

    1. Wissenschaftlich bewiesen wurde dies an genmanipulierten Mäusen, denen Vit K-abhängige Proteine fehlten. Fehlten nun gerinnungsabhängige Proteine, waren die Mäuse gleich tot. Fehlten Knochenstoffwechsel-abhängige Proteine, haben sie noch länger gelebt (AM J Clin Nutr. 2009 Oct; 90(4):889)
    2. Hat man Menschen eine Vit K-arme Kost gefüttert. Nicht besonders kompliziert: Ihre deutsche Normalkost. Und fand dass
    • die nicht aktivierten Osteocalcin-Spiegel Wochen früher anstiegen als
    • die nicht aktivierten Gerinnungsfaktoren.

Der Körper hat also das ganze Vit K zunächst auf die Gerinnung umgeleitet. Hat die in Ordnung gehalten. Prompt stiegen die Spiegel von Osteocalcin und MGP sofort an. Dort fehlte Vit K. Der Knochen wurde sofort entkalkt, die Blutgefäße verkalkt. Das Problem hält Mutter Natur eben für nicht so dringend, verglichen mit der Gerinnung.

Sie wissen ja inzwischen, dass die Entwicklung der Osteoporose und der Gefäßverkalkung Hand in Hand geht. Vit K Mangel lässt nun einmal die Gefäßverkalkung zu, weil das Calcium nicht in den Knochen umgeleitet wird.

Fazit: Diese hübsche Erkenntnis von Ames zeigt, dass die üblichen täglichen Minimumempfehlungen an Vitaminen etc. grundfalsch sind. Empfehlungen der FDA (USA), die von der DGE (D) kritiklos übernommen wurden.

Die üblichen Vitaminempfehlungen verhindern Akutkrankheiten wie Skorbut, Beriberi, Pellagra usw. Stimmt. Weil der Körper diese Minimengen sofort an dieser Stelle verbraucht.

Auf Kosten der unausweichlichen RNA-Schäden, also Genbrüche usw., die dann, genauso unausweichlich, den späteren Herzinfarkt, Schlaganfall, Alzheimer usw. verursachen.

Noch einmal ganz deutlich: Einen einzigen Tag mit der nicht optimalen Dosis an Vitaminen & Co. bezahlen Sie auf lange Sicht mit Krankheit und Tod.

Darf ich den Scherzkeks Dr. von Hirschhausen zitieren?

    „Vitamin C ist Unsinn….das mit dem Vitamin C ist ein Mythos. Kein Mensch braucht zusätzlich Vitamin C. Ich kann mir nicht vorstellen, dass schon mal jemand aus der „Seefahrernation Saarland“ an Skorbut erkrankt ist. Das einzige, was man erreicht, ist, dass das Vitamin C wieder ausgeschieden wird und dass man dann den Urin als Multivitamintablette nutzen kann…..“ Das ist leider schon lange nicht mehr lustig. Prof. Ames ist immerhin der meistzitierte, also der wichtigste Biochemiker dieser Welt.

Quelle: Kate Rheaume-Bleue: „Vit K2….“ S. 87. Dort auch Literatur.