Vitamine im Fernsehen II

21.05.2010
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Also SWR. Bereits am 3. März 2010. Erneut jetzt am 11.05.2010. Beide Sendungen basieren auf der gleichen sensationellen Enthüllungsstory vom 28.02.2007. Von Prof. Gluud aus Kopenhagen. Ich hatte gestern schon auf diesen verfrühten Aprilscherz hingewiesen.

Im März hieß die Sendung "Die Vitaminfalle" und war ein bisschen ausführlicher. Sie hatten mir (ich hab's nicht gesehen) zwei Kernaussagen übermittelt:

  • Obst ist gesund, trotz der Vitamine
  • Sportler, die hochdosiert Vitamin C nehmen, haben umsonst trainiert

Kenne ich. Erkenne ich spontan wieder. Das ist die eine Arbeit von Prof. Ristow. In diesen News bereits besprochen am 15.5.,18.5.,25.5.2009.

Erinnern Sie sich? Prof. Ristow studierte Sport und Diabetes. Auswirkung von Training auf Diabetes. Das Wort Diabetes ist deswegen wichtig, weil ja 10.000 von 11.000 Olympiateilnehmern Vitaminpräparate einnehmen. Die hätten ja dann, laut SWR, "umsonst trainiert". Olympioniken! Kommentar überflüssig.

Prof. Ristow hat also gezeigt, dass Sport mehr freie Radikale macht. Stimmt. Und das Vitamin C und E diese freien Radikale wegfangen. Stimmt. Dass - neu - diese freien Radikale beim jungen gesunden Sportler die Insulinresistenz verhindern würden. Und dass die Vitamine dann natürlich diesen eigentlich erfreulichen Anti-Diabetes-Effekt unterbinden.

Vitamin C und Vitamin E unterbinden also einen erwünschten Trainingseffekt des Zuckerstoffwechsels. Wie sehr das einen (ausdrücklich) jungen gesunden Sportler interessiert, bleibt dahingestellt. Was hat der mit Diabetes Typ II zu tun?

Aber weiter: Jeder Apfel, jede Tomate fängt genau wie Vitamin C und Vitamin E freie Radikale weg. Wirkt also genau so. Hundertfach bewiesen. Nicht zu bezweifeln. Also müsste Prof. Ristow jeden Sportler vor Obst warnen. Gemüse müsste dann ja ein Diabetes-Risiko sein.

In der Sprache von SWR: Sportler, die Obst essen, haben umsonst trainiert. Kommentar überflüssig.

Deshalb zitiert Prof. Ristow die berühmte Studie von Hamer und Chida (strunz.com vom 17.5.2010). Es gäbe nämlich einen Unterschied zwischen Tomate und Vitamin-Pille: Dort stünde, so vom ihm behauptet, dass Obst und Gemüse das Risiko für Diabetes Typ II senken würde. Und dass Vitamine dies nicht könnten. Sagt er.

Daraus leitet er und SWR den Satz ab "Obst ist gesund, trotz der Vitamine".

Das Dumme ist nur: Die Studie von Hamer und Chida behauptet exakt das Gegenteil. Kann man ja nachlesen. Da hat sich wohl - hoppala, tschuldigung - die Sekretärin von Prof. Ristow vertippt.

Der - hoppala - Irrtum ist dank SWR auf einmal Fakt. Willkommen im deutschen Fernsehen ...