Vitamine im Fernsehen

20.05.2010
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Ganz aufgeregt wird mir über eine SWR-Sendung vom 11.05. erzählt. Eine "Doku zu Vitaminen ... voller Verriss". Da sei man als Verbraucher jetzt verwirrt.

Hab ich nachgeguckt. Diese Doku zu Vitaminen im SWR ist eine Wiederholung. Die Wiederholung von einer Sendung vom 20.09.2007. Und bezieht sich auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung vom 28.02.2007. Nur: Die kennen wir doch schon. Das war doch der

verfrühte Aprilscherz 2007
(www.strunz.com 16.04.2007)

Eine Metaanalyse. Eine nachträgliche Auswertung von Vitaminstudien, präsentiert von Prof. Gluud in Kopenhagen. Hochinteressantes Vorgehen: Da wurden aus zehntausenden Vitaminstudien 815 gute ausgewählt. So lesen wir. Diese 815 Studien wurden aber nicht ausgewertet. Da hätte man wohl nicht gefunden, was man finden wollte.

Also hat man aus diesen 815 nur 68 noch bessere ausgewählt. Erneut wurden die jedoch nicht ausgewertet, da hier kein Vitamineffekt auf die Sterblichkeit gefunden wurde. Ausdrücklich keiner.

Also wurden erneut 21 Studien "eliminiert" (Zitat), so dass schlussendliche 47 übrig blieben. Von 815.

Und diese 47 wohl ausgewählten Studien ergaben - endlich, endlich - ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko für Vitamin A um 16%, Betacarotin um 7%, Vitamin E um 4%, Vitamin C um 6%, Selen verringerte das Sterblichkeitsrisiko um 10%.

Wenn ich dann lesen darf, dass

  • hier Studien ausgewählt wurden, in welchen Vitamine gerade mal einen einzigen Tag gegeben wurden
  • die Studien keine Auskunft über die Todesursachen geben. Also auch ein Autounfall dann den Vitaminen zugerechnet wird ...

dann versteh ich, dass diese doch eigentlich sensationelle große Metaanalyse seither nie mehr in der Literatur, in den Besprechungen aufgetaucht ist. Einfach vergessen wurde. Offenbar mit rotem Kopf.

Und jetzt wiederholt SWR die Sendung von 2007. Weshalb? Fernsehen funktioniert mit der Quote. Offenbar hatte sich die Sendung vom März 2010 zum gleichen Thema gelohnt. Damals wurde die gleiche Studie von Prof. Gluud zitiert, zusätzlich noch die von Prof. Ristow. Sie erinnern sich (www.strunz.com 25.5.2009).