Vom Geistesblitz zum Tatendrang: Teil II von II

05.10.2014
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Dritter Vorschlag: Schreiben Sie ein Buch. Nicht irgendeines. Nicht eines der 80.000 jährlichen Neuerscheinungen. Nichts weiter als bessere Abituraufsätze. Linkshirniges Gewäsch. Schreiben Sie ein Buch aus dem Bauch heraus. Beschreiben Sie sich selbst. Ihre Gefühle, Ihre Erfolge, Ihre Arbeit in der Praxis. Jeder von Ihnen weiß etwas, was Ihre Mitmenschen faszinieren würde. Mehr braucht es nicht. Sobald Sie mit dem Buch Ihren Mitmenschen einen Mehrwert bieten, haben Sie gewonnen. Das tun Sie aber nur mit einem persönlichen, emotionalen Buch. So wie Harpe Kerkerling „Ich bin dann mal weg“. Ein inhaltlich banales Buch. Aber 2 Millionen mal verkauft.

Und das ist der Witz: Ihre Buchauflage sei 10 Millionen. 10 Millionen. Das kann man. Haben andere vor Ihnen bewiesen. Schreiben Sie so ein Buch. Auch schon aus einem ganz banalen Grund: Wenn sie pro Buch vom Verlag nur 1 € bekommen, dann haben Sie… Sehen Sie, dann haben Sie Ihr zweites Vorhaben durch das Hintertürchen erfüllt. Weshalb sind Sie auf diese Idee noch nicht gekommen?

Gab‘s da nicht einmal einen Zahnarzt, der auf die geniale Idee kam, auf der Bühne in nachgestellten Praxisräumen den Kollegen zu zeigen, wie die ihren Beruf ausüben sollten? Die Säle waren proppevoll. Jeder von Ihnen wollte das wissen. Sehen Sie: Der hat sozusagen ein Buch geschrieben. Und er hat sozusagen Tausende davon für 1000 € verkauft. Rechnen Sie selbst. Weshalb sind Sie nicht auf die Idee gekommen?

Ich sag Ihnen, weshalb nicht Sie. Weil Sie genauso wie ich erzogen sind in dem Glauben, dass Sie alles selbst tun müssten. Dass Sie allein sind auf dieser Welt. Dass Erfolg aus Ihnen kommen muss. Dass Sie schuften, sich mühen, plagen müssen.

Ein großer Irrtum. Geistesblitze kommen eben nicht aus unserem kläglich kleinen Hirn. Aus der täglichen Anstrengung. Die kommen wo anders her. Wer das einmal verstanden hat, wird sich um das „Wo anders“ kümmern.
Lassen sie mich das verdeutlichen am Beispiel des Ozeanes. Sie stehen am Strand von Gran Canaria und blicken aufs Meer. Mittags. Windstille. Sonne. Keine Wogen, sondern allenfalls kleine Wellen, viele, viele Millionen. Jede Welle ist ein Stück Ozean, das sich abgetrennt hat. Nach oben strebt. Eine eigene Form hat. ICH sagt.

Genau das sind Sie. Sie sagen ICH. Sie glauben wirklich, dass es ein ICH mit dem Namen Meier gibt und ein ICH mit dem Namen Müller und ein ICH mit dem Namen Schulze. Weil es genau solche Körper gibt. So wird jede Welle argumentieren: Neben mir ist ja eine andere Welle, also noch ein Ich und dann noch eine dritte Welle, auch noch ein Ich. Es gibt viele Millionen Ichs.

So denken wir Menschen von uns. Welche Arroganz. So eine Welle braucht ja nur ein paar Sekunden zu warten, um wieder im Ozean zu verschwinden. Aufzugehen im Universum des Wassers, wo sie hergekommen ist. Und genauso brauchen doch Sie kleines Menschlein nur ein bisschen zu warten, bis Sie wieder zu Staub zerfallen. Zur Muttererde werden, wo Sie hergekommen sind. Wo ist jetzt Ihr Ich?

Das Ich ist Ihre Seele. Glauben Sie wirklich, dass Ihre Seele dann so plötzlich verschwindet? Nein, das glauben Sie nicht. Am Beispiel der Welle versteht man es ganz plötzlich: Das Wellenich verschwindet im Ozeanich. Es gibt nur ein großes ICH. Von dem wir uns übermütig und vorwitzig ein bisschen separieren und behaupten, wir seien ein eigenes Ich. Die Zeit lehrt uns das Gegenteil. Es gibt nur ein großes Ich. Wir hängen alle zusammen.

C. G. Jung nannte das das kollektive Unterbewusstsein. Geniale Idee. Längst praktisch realisiert und als wahr erkannt. Wieso vergessen Sie das im Alltag?

Und in diesem kollektiven Unterbewusstsein sind die Gedanken und das Wissen selbstverständlich aller Menschen, seit es Menschen gibt, also von 10 Milliarden verwahrt und archiviert. Weiß man von Hypnoseexperimenten. Jede Frage ist schon einmal gestellt worden, jede Antwort ist schon einmal gegeben worden. Sie könnten also die sogenannte geniale Idee, den Geistesblitz, auf den Sie in Ihrem Leben warten, direkt abrufen. Der ist schon längst da. Sie bräuchten nur Zugang…

Diesen Gedanken von dem einen großen Ich hat in unnachahmlicher Weise Erwin Schrödinger, der Nobelpreisträger 1933 in einer Vorlesung 1942 niedergeschrieben. Auf den letzten 6 Seiten eines kleinen Büchleins „Was ist Leben“. Diese 6 Schlussseiten sind für mich das genialste, was jemals in deutscher Sprache hingeschrieben wurde. Müssen Sie lesen. Nicht sollten Sie. Sie müssen. Erwin Schrödinger ist der meist zitierte und damit berühmteste Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Nicht Einstein, sondern Schrödinger.

Und den Gedanken finden Sie natürlich schon bei Schopenhauer. Und der hat’s wiederum abgeschrieben aus den Upanishaden, also aus einem Büchlein, das 2500 Jahre alt ist. Vielleicht waren unsere Vorfahren doch nicht ganz blöd.

Das mich so bezaubernde und mich begeisternde an dieser Vorstellung des einen großen Ichs, des kollektiven Unterbewusstseins, ist die Tatsache, dass dies in der Physik experimentell bewiesen worden ist. Nennt man die Nichtlokalität. Zuerst 1982 in Paris, inzwischen immer wieder in Wien von dem Guru Professor Zeilinger. Die Physik hat bewiesen, dass jedes Teilchen des Universums mit jedem anderen unmittelbar zusammenhängt. Unmittelbar voneinander weiß. Wenn Sie also ein Teilchen hier auf den Kopf stellen, wird in Folge hunderte von Lichtjahre weg im selben Moment (also nicht mit Verzögerung der Lichtgeschwindigkeit) ein anders Teilchen wackeln. Alles in diesem Universum ist unmittelbar miteinander verknüpft. Das ist kein Wahn und kein Glaube, sondern experimentell erwiesen. Sollten Sie nachlesen.

Für mich der schönste Gottesbeweis, den es gibt. Diese Vorstellung des gemeinsamen Ichs, des gemeinsamen Wissens stellt Ihr Leben sofort auf den Kopf dann, wenn Sie es als gefühltes Bild in der Seele tragen.

Ein Bild, von dem ich lebe. Das in mir lebt. Ein Bild, das es mir ermöglicht, als kleiner Normalmensch Extremwettkämpfe zu bestehen, sogar zu gewinnen. Es ist allein dieses Bild.

 
 
 

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