Voratmen

06.05.2009
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Sie laufen. Sie joggen. Auf Ihrer Hausstrecke. Und wissen genau was kommt: Der Hügel. Die Steigung. Es wird bergauf gehen. Es wird weh tun. Sie werden leiden, Sie werden schnaufen.

Sehr viel schneller schnaufen auf dem Weg nach oben.

Weshalb tun Sie's nicht gleich? Die schnellere Atemfrequenz bedeutet doch, dass Sie am Hügel dringend mehr Luft brauchten. Deshalb schneller atmen müssen. Aber das wissen Sie doch schon vorher!

Weshalb schnaufen Sie dann nicht schon vorher? Auf Vorrat?

Nenne ich voratmen. 20, 30, 50 Meter vor der Steigung schnaufe ich ganz plötzlich genau so schnell, wie ich am Hügel, am Berg schnaufen werde. Die Frequenz kenne ich ja schon vorher. Aus leidvoller Erfahrung.

Ich hyperventiliere. Und komme auf einmal – natürlich – sehr viel leichter über den Hügel.

Die meisten Menschen schnaufen immer knapp im Defizit. Immer ein bisschen hinterher. Immer nur gerade so, dass es ausreicht. Genau so verwalten Sie Ihr monatliches Einkommen. Knapp. Genau so haben Sie in der Schule gelernt, Hausaufgaben gerade so gemacht. Auf die Idee, dass man mit dem Mathematikbuch in der Hand schon ein paar Tage vorauslernen kann und es auf einmal leichter hat ... kommen gar nicht so viele.

Auch nicht im Sport.

Kennen Sie das Energy-lab? Auf Hawaii? Den Umkehrpunkt der Laufstrecke? Wenn man vom Meer aus der brütenden Hitze des Energy-lab wieder zurück auf die Straße „nach Hause“ läuft? Da gibt's eine leichte Steigung. Einen Kilometer. Bis zur Straße hoch. Diese Steigung hyperventiliere ich und kann dann ... beim Einbiegen auf die Straße plötzlich losrennen. Weil ich einen leichten Sauerstoffüberschuss habe. Und genau da fange ich an zu überholen, und das Erfolgserlebnis beflügelt und ... man kommt in den bekannten Rausch und ... läuft strahlend mit erhobenen Händen ins Ziel. Reines Glück.

Voratmen!

 
 
 

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