Vorher, Sie Dummerchen.

08.05.2019
 

Wenn Sie im Formel-I-Auto mit 300 km/h auf die Kurve zurasen, müssen Sie irgendwann bremsen. Sollten Sie mit dem Bremsen in der Kurve beginnen, würden Sie Schiffbruch erleiden. Wann Sie bremsen sollen? Ein Vettel würde lächeln: Vorher, Sie „Dummerchen“! Eigentlich selbstverständlich.

Wenn Sie mit 65 in Rente gehen, und Sie mit 64 Jahren anfangen, etwas Geld zurückzulegen, zu sparen, werden Sie Schiffbruch erleiden. Werden Sie - ohne monatliches Einkommen - kein Geld fürs Leben mehr haben. Wann also sparen Sie für die Rente? Vorher, Sie Dummerchen!

Falls Sie mal 100 km rennen wollen, können Sie es natürlich darauf ankommen lassen. Treten einfach an und üben, trainieren während des Laufes. Dass das schief geht, wissen Sie von vorneherein. Wann also müssen Sie trainieren? Vorher, Sie Dummerchen!

Tja. Sie Dummerchen.

460.000 von Ihren Mitmenschen warten dieses Jahr wieder mal, bis sie schon in der Kurve sind. Bevor sie bremsen. Will sagen: Bekommen Krebs. Und fangen dann an, sich emsig zu bemühen: Lassen sich operieren, Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapie usw. Noch einmal: Tja. Bei der Hälfte der Betroffenen geht das schief.

Das Gleiche natürlich beim Herzinfarkt. Da wird gewartet, bis der Infarkt da ist. Und dann wird mit Riesenaufgebot von Intensiv-Ärzten und Krankenschwestern Tag und Nacht an Ihnen herumgedoktert. Geht in der Regel schief. Spätestens beim zweiten Herzinfarkt. Wann also hätten Sie das Laufen beginnen sollen? Vorher, Sie Dummerchen!


In einer Meta-Analyse, also Auswertung von vielen Arbeiten konnte Klement schon 2016 zeigen, dass Mäuse, denen man Tumorzellen eingeimpft hat, leider kaum von ketogener Diät profitierten. Wenn die Diät erst am Tage der Krebsimpfung begonnen wurde.

Hatten die Mäuse allerdings schon vorher von Ketonkörpern gelebt, dann waren sie deutlich besser geschützt gegen den eingeimpften Krebs. Was lernen wir?

Vettel hat Recht. Bremsen musst du vor der Kurve, nicht in der Kurve.


Kein Zufall, dass praktisch alle Studien am Menschen - Ketose und Krebs - bisher unternommen wurden dann, wenn es zu spät war. Wenn der Krebs weit fortgeschritten war, metastasiert ist, die übliche Therapie versagt hat.

Dass dann kein besonders überzeugender Erfolg der Ketose bei der Krebsbekämpfung zu zeigen war…. Überrascht nun wirklich nicht. So der Stand heute.

Zunehmend kombiniert man. In einer Übersichtsarbeit beschreibt Klement 2019, wie bei der Krebsbekämpfung ketogene Diät kombiniert wird mit Radiotherapie, Chemotherapie, Sauerstoffüberdruck-Behandlung. Und prompt lassen sich erste Erfolge zeigen. Sie erinnern sich an Longo (News vom 24.09.2018).

Kurzes Nachdenken (was ist das?) zeigt uns natürlich, dass dieses Prinzip der Kombination schon immer gegolten hat. Wenn der Krebs-Patient sowieso Läufer war, sowieso genetisch korrekt gegessen hat, wird ein jetzt zusätzlicher Reiz, die Ketose, hilfreicher sein als bei einem übergewichtigen, sitzenden, rauchenden Normalmenschen.

Es wirken immer mehrere Faktoren zusammen. Genau deshalb findet man manchmal ja auch Wunderheilungen allein durch Ketose. Dieses „allein“ stimmt eben nicht. Diese Patienten haben irgendetwas anders schon vorher richtig gemacht.

Ein ziemlich banales Prinzip. Und je mehr Sie vorher richtig gemacht haben, desto größer ist Ihre Chance.

Bringt uns erneut zum „Vorher, Sie Dummerchen“: Warum denn nicht vorher schon Läufer werden, auf Kohlenhydrate verzichten, viele Antioxidantien schlucken und meditieren (Stress abbauen). Wenn es Sie dann trotzdem erwischt (ich habe solche Patienten, die dann immer ganz überrascht gucken), wenn es Sie also trotzdem erwischt, haben Sie eine ganz andere Chance als der Unvorbereitete.

Noch einmal: Weshalb fangen Sie nicht im Moment an. Stehen vom Stuhle auf und rennen los. Denn…. Sie wissen ja inzwischen: Vorher, Sie Dummerchen!

Quelle: Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2019, 22:129

 
 

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