Walter Röhrl

15.09.2011
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Gehört zu den ganz wenigen, vor denen ich zutiefst Respekt habe. Ich habe ihn immer bewundert und nie verstanden. Habe nie verstanden, wie ein Mensch das leisten kann, was er geleistet hat. Als Ralley-Weltmeister. Dagegen ist Formel I doch bloß ...

Sie brauchen nur auf youtube einmal seinen Weltrekord am Pikes Peak anzugucken. Mit dem letzten Audi S 1 in freier Wildbahn. Kein Auto, sondern buchstäblich und für alle erkennbar eine glühende Rakete mit langem Feuerschweif.

Wie Schuppen von den Augen ist es mir gefallen, jäh wurde mir das Geheimnis seiner unverständlichen Leistung klar durch ein Gespräch mit Michael Eder in der FAS 14.08.2011. Jetzt hatte ich verstanden:

Walter Röhrl war kein üblicher Autofahrer, sondern Hochleistungssportler. Extremsportler. Extrem fit. Schon als 12-jähriger fuhr er eben mal so 120 km ins Pfadfinderlager. Mit dem Rad. Ist zwischen dem Ralley-Training grundsätzlich und immer bis zu 12.000 km pro Jahr geradelt. Und erzählt dann in typischer Röhrl-Manier so Geschichten wie:

Da ist er mal mit Eddie Merckx (5 maliger Tour de France Sieger) und 15 anderen ausgefahren. Von den 15 hatten 12 mindestens fünf mal die Tour de France bestanden. Regel der "Ausfahrt": Nur Bergankünfte haben gezählt. Auf Anhieb habe er "alles gewonnen. Da konnte keiner mithalten".

Nicht mal Eddie Merckx. Der war nur ein Jahr älter als Röhrl. Aber "am Berg hab ich ihn trotzdem stehen lassen".

In einem Vergleichstest in einer Sportklinik hätte Klaus-Peter Thaler (deutscher Profi) 420 Watt getreten. Er sei der nächste gewesen und habe dann "aus Anstand auch bei 420 Watt aufgehört".

Wissen Sie, was dahinter steckt? So kleine Randbemerkungen wie:

"Ich habe nicht mal Cola oder Kaffee getrunken. Die längste Ralley meiner Laufbahn dauerte damals 72 Stunden nonstop, in Schweden. Wie das ging, ist mir heute unerklärlich".

Das Geheimnis? Disziplin. Einsatz. Ausdauer. Fitness. Eine neurotische Grundstruktur. Muss ich immer lächeln. Vielen von Ihnen vertraut.

72 Stunden am Stück habe ich nie geschafft. Ich musste nach 64 Stunden nonstop am Protonen-Beschleuniger in Erlangen die Segel streichen.

Die Einstellung ist es. Es gibt also heute noch Menschen, welche die Zähigkeit unserer Vorfahren nicht nur körperlich, sondern auch geistig leben. Kann man übrigens, wie so alles, trainieren.

Gucken Sie sich mal ein Photo von Röhrl an. Lean and mean!

 
 
 

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