Was sind Klimaforscher?

03.05.2012
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Wissenschaftler, werden Sie spontan antworten. Experten. Na, dann denken wir doch einmal ein bisschen nach:

Was eigentlich sind Börsenfachleute? Investment-Gurus? Das sind Menschen, die Ihnen täglich im Fernsehen den heutigen Börsenkurs runter leiern. Einfach ablesen. Als ob Sie das nicht selbst könnten. Und darüber reden. Und mit dem gestrigen Kurs vergleichen. Als ob Sie das nicht selbst könnten. Und dann ... Prognosen wagen. Bei knapp einer Million dieser Fachleute auf dieser Welt hat praktisch keiner die großen Börsen-Crashs vorausgesagt. Die haben völlig versagt. So viel zu Fachleuten an der Börse: Einfache Nacherzähler.

Na, was glauben Sie, was Klimaforscher tun? Seit 150 Jahren werden weltweit Temperaturen gemessen, in kleinen Wetterhäuschen. Und die Daten werden zusammengetragen. Klimaforscher lesen diese Daten und addieren sie. Das war's. Als ob wir das nicht selbst könnten. Ich hole mir alle diese Einzeldaten doch selbst von der Nasa. Da brauch ich keinen Klimaforscher. Und da lese ich Erstaunliches. Tun Sie's einfach mal selbst.

Hinweis: Die Klimaerwärmung findet in den Großstädten statt. Das war's auch schon. Darüber kann man nachdenken.

Weshalb ich darüber schreibe? Weil ich ein bisschen älter bin. Weil ich mit erlebt habe, wie genau die Klimaforscher, die heute vor der globalen Erwärmung warnen, genau die gleichen Experten in den Sechzigern, in den Siebzigern, bis in die achtziger Jahre gewarnt haben vor der kommenden Eiszeit. Die unausweichlich über uns hereinbrechen würde. Und jetzt soll's plötzlich die Erwärmung sein. Erinnert sehr an die Börsenexperten.

Die Eiszeit-Warnung hatte ja einen realen Hintergrund: Jahrzehntelang fiel die Temperatur. Erst vor dreißig Jahren ("globale Erwärmung" gab's erstmals 1988) stieg die Temperatur an. Darauf berufen sich die Experten heute. Vergessen aber hinzuzufügen, dass seit 14 Jahren die Temperatur eben nicht mehr ansteigt, sondern allenfalls gleich bleibt.

Führende Experten in Deutschland sitzen im Potsdamer Institut. Die beraten die Bundesregierung. Kluge Menschen, die - ganz langsam - ihren Standpunkt zu ändern beginnen.

So meint der Institutschef Schellnhuber, dass es "durchaus möglich sei, dass wärmeres Klima in Kombination mit einem weiteren Anstieg des CO2 in der Luft zu mehr Pflanzenwachstum und besseren Ernten führt".

Das hatte ich bisher ganz anders verstanden.

Und sein Stellvertreter Edenhofer widerspricht ausdrücklich nicht dem Satz, es "sei seit über einem Jahrzehnt nicht wärmer geworden und werde in Zukunft wohl eher kühler".

Ei gucke da. Erinnert mich sehr an die Börse.

Quelle: Focus 5/2012, S.68

 

 
 
 

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