Wer Beine hat soll ... laufen!

27.11.2009
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Wenn ein Drittel der Deutschen, also jeder Dritte von uns einmal im Leben von Depressionen überfallen wird, sollte man eigentlich häufiger davon lesen. Erfahrungsberichte. Leidensstories.

Sind aber eher selten. Depressive trauen sich nicht. Genau das ist ja ihre Krankheit. Sind niedergedrückt, beschämt, versuchen zu verdrängen, versuchen "dennoch zu funktionieren". Wie Robert Enke.

Sie glauben gar nicht, wieviel Briefe ich als Antwort auf meine kurzen Andeutungen in den letzten Tagen bekommen habe. Wieviel Menschen sich bitterlich beklagt haben über "Experten", die ihnen eingeredet haben, die Ursache ihrer Depression sei eine zu strenge Mama im 5. Lebensjahr. Eingeredet hätten, bis sie es geglaubt haben. Und bis sie noch verzweifelter wurden, weil man "das ja jetzt nicht mehr ändern könne".

Ich nenne das Voodoo.

Es geht aber auch anders. Es gibt offenbar Mitmenschen, die der Depression durch Eigen-Initiative entkommen sind. Darf ich?:

"Vor 2 Jahren, nach einem Lebensschlag war ich beim Psychologen. Aber nach 5 Sitzungen war ich soooo durcheinander und ging's mir nicht besser, dass ich diese "Sitzungen" abgebrochen habe, mehr Eiweiß gegessen habe und Tryptophan, ein kluges Buch gelesen habe und trotz Depression (keine Lust) mich gezwungen habe zu laufen.

Und? Es hat geholfen! 30 Minuten habe ich geschimpft und die restlichen 30 Minuten war ich schon befreit! Und das Ganze jeden Tag, bis ich endlich auch die ersten 30 Minuten nicht geschimpft habe und mich gefreut habe, dass ich Beine habe und laufen kann".

Bewunderswert. Laufen ist ja tatsächlich ein von der Medizin anerkanntes Antidepressivum. Wirkt aber eben erst dann, wenn Sie vorher die richtigen Moleküle gegessen haben, die dann durch das Laufen stimuliert und freigesetzt werden.

Dieser Zusammenhang ist ... lebensentscheidend.

 
 
 

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