Weshalb Deutschland immer dicker wird

08.11.2013
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Kann man ganz einfach erklären. Wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte der Medizin beschäftigt. Also ein bisschen in die Vergangenheit zurück guckt. Dann erkennt man, dass es zur obigen Frage zwei Antworten gibt. Genauer gesagt: Zwei Hypothesen.

Und die falsche Hypothese hat gewonnen. Erklärt uns die merkwürdigen Ansichten der DGE, erklärt, weshalb Deutschland immer dicker wird. Unausweichlich.

Was für Hypothesen? Die erste stammt von dem Physiologen Max Rubener 1880. Der als erster die Gesetze der Thermodynamik auf lebende Organismen, also auf uns angewandt hat. In aller Kürze: Es sind die Kalorien. Wenn wir mehr Kalorien essen als der Körper verbrennt, werden wir dick.

Wurde 1920 von Newburgh präzisiert: Alle dicken Menschen haben eines gemeinsam: "Sie überessen sich buchstäblich". Seine Entdeckung: "Das ganze Problem Übergewicht liegt in der Regulation zwischen Einfuhr und Ausfuhr von Kalorien".

Die zweite Hypothese entstand erst 1923, als der Endokrinologe Falta die Bedeutung des Hormons Insulin erforschte. Er meinte, Insulin sei der entscheidende Faktor bei der Entstehung von Übergewicht. Darauf aufbauend, fragte der Endokrinologe Rony 1940, was denn nun der wahre Grund sei für den angeheizten Appetit der Übergewichtigen. Welcher Mechanismus ist da gestört? Und klug hielt er fest, dass der Überschuss an gegessenen Kalorien wohl eher das Resultat und nicht die Ursache dieser Störung sei.

Erst 1960 durch das Studium des Hormons Insulin nahm die zweite Hypothese Gestalt an. Als Erklärung von Übergewicht. Schuld sei das Hormon Insulin. Weil es unser Essen in die Fettzelle schleust und dort einsperrt. Und Insulin... wird stimuliert durch "den Kohlenhydrat-Gehalt unserer Nahrung" besonders durch Getreide und Zucker.

Das Neue an dieser zweiten Hypothese (nach Falta) war also, dass übergewichtige Menschen sich nicht überessen – was auch immer das bedeutet – sondern weil sie ein Hormon freisetzen, welches Nahrung in den Fettspeicher schleust. So kam es zu dem Satz

"Jede Frau weiß, dass Kohlenhydrate fett machen. Das gehört zum Allgemeinwissen, das wenige Ernährungsspezialisten abstreiten würden." (British Journal of Nutrition 1963)

Und tatsächlich hat man sich auf jeder Diät-Konferenz 1945 bis 1975 konzentriert auf die "überraschende Effizienz einer Low Carb-Diät". Die zweite Hypothese also war damals akzeptiert.

Seltsamerweise nicht mehr heute. Der Umschwung begann 1972 mit Atkins. Der ja sensationelle Abnehmerfolge erzielte. Und da kamen die "akademischen Ernährungsexperten und Fettsucht-Forscher". Zum Beispiel Prof. Fred Stare von der Harvard University, der 1972 verlautete, dass Ärzte, welche diese Form der Diät (Atkins) verschrieben, "guilty of malpractice" seien, also einen Kunstfehler begingen. Weil diese Diäten sehr wohl Fett erlaubten. Und Fett war in dieser Zeit der Teufel persönlich.

Das Problem Übergewicht war also bereits 1960 gelöst. Dank der zweiten Hypothese. Wohl verstanden. Nur vorübergehend gelöst! Bis dann die akademische Wissenschaft kam und erneut behauptete, es seien die überflüssigen Kalorien, insbesondere das Fett, nicht die Kohlenhydrate.

Und weil die DGE und viel Professoren in den USA und Deutschland nicht fähig sind, das Experiment No Carb von nur einer Woche Dauer am eigenen Körper zu praktizieren, sondern lieber längst abgehandelten akademischen Weisheiten von 1880 anhängen... wird Deutschland immer dicker. Alles eigentlich ganz lustig nachzulesen, wenn man nicht täglich mit dem Leid des Übergewichtes, des Bluthochdruckes, des Diabetes usw. konfrontiert würde.

Quelle: Brit. Med. J 2013; 346: f1050 doi

 
 
 

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