Weshalb einfach...

22.11.2014
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...wenn es auch kompliziert geht? Könnte die Überschrift sein über unser ganzes modernes Leben. Unter dem Vorwand, das Leben einfacher zu machen...wird es künstlich kompliziert gemacht. Denken Sie nur einmal an die Vollelektronik Ihres Autos. Früher, in meinem VW 1200, konnte jeder Mechaniker in Deutschland und Italien in 5 Minuten...einen Schaden reparieren. Heute? Unmöglich.

Denken Sie an den Bluthochdruck. Millionen Deutsche beschäftigen 100.000 Ärzte. Beschäftigen ganze Krankenhäuser und Ambulanzen. Mit der Einstellung ihres Blutdruckes. Mit dem Wechsel der Medikamente. Mit den nächtlichen Blutdruckkrisen. Mit den Notfall-EKG`s. Dabei...20 Kilo Fett abspecken und die Sache wäre – oft - gelaufen.

Aber eben: weshalb einfach, wenn es so schön kompliziert geht? Komme ich drauf durch eine sehr, sehr gute Laufzeitschrift. Fit for Life 9/14, S.32. Da geht`s um

Lästiges Seitenstechen

Könnte man mit 2 Sätzen beantworten, mit einer Technik beheben. Könnte man. Aber: weshalb einfach...? Also füllen die eine ganze Seite ihres Heftes. Angeboten werden verwirrende Erklärungsmodelle. Darf ich?

 

  • Mehr Durchblutung der Milz
    (Komisch: Seitenstechen habe ich rechts, die Milz liegt links)
  • Reduzierte Blutversorgung des Zwerchfells
  • Dehnung des Bindegewebes...nach einer üppigen Mahlzeit
    (Komisch: vor einem Marathon eine üppige Mahlzeit?)
  • Erschütterungen beim Laufsport
    (Erschütternd. Da werden angeblich „meine Organe durcheinander gerüttelt“ meint ein Professor für Sportmedizin. Ich bin Vorfußläufer. Bei mir wird nichts gerüttelt)

 

Folgerichtig bekommen Sie recht merkwürdige Ratschläge, wie:

 

  • Keine kohlenhydratreichen Getränke
  • Nicht mit vollem Magen Sport treiben (man höre und staune)
  • Nur stufenweises Auftrainieren, langsamer Belastungsbeginn
    (Ich will Spass, Ich renn los. Und habe keine Seitenstiche)

 

Jetzt kommt`s: die jetzigen Ratschläge galten der Vermeidung. Jetzt wird`s praktisch: was tun, wenn die Seite sticht. Beim Marathon?

Das beginnt beim Nach-vorne-beugen des Oberkörpers (sieht lustig aus) oder der „leichten Massage“ der schmerzenden Stelle (tut man automatisch, hilft bloß nix) usw.

Wirkliche Lösung: Seitenstiche haben Ursache in Punkt Nr. 2. Zu geringe Sauerstoffversorgung des Zwerchfells. Tut gemein weh. Wissen wir von der Claudicatio intermittens, Sauerstoffmangel in den Waden.  Ursache ganz einfach: Sie sind beim Atmen aus dem Rhythmus gekommen. Das ist alles. Z. B. beim Trinken. Z. B. beim Stolpern. Z.B. beim Reden.

Abhilfe? Schlicht und simpel: mehr Sauerstoff ans Zwerchfell. Das gelingt nur beim Ausatmen, nicht beim Einatmen. Heißt also: Ausatmen. Noch einmal. Und noch einmal. Ganz praktisch: von einem Schritt auf den anderen doppelt so lange ausatmen wie vorher.

Seitenstiche weg. Operation geglückt. Da braucht man keine ganze Seite vollschreiben. Aber...wir leben eben in modernen Zeiten. Kennen Sie das deutsche Steuerrecht? Schon Roman Herzog, immerhin Bundespräsident, hat das „kriminell“ genannt. Und das Steuerrecht früher?: „Jeder gebe den Zehnten“. Das war`s.

Aber weshalb einfach, wenn es auch kompliziert geht?

 
 
 

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