Weshalb gerade ich?

20.03.2019 | Strunz
 

Es gibt ja nicht nur die Reichen, die Super-Reichen und Schönen dieser Welt. Und dann eben uns… es gibt nicht nur uns, die Mittelklasse, und die wirklich Armen…, es gibt nicht nur die wirklich Armen in Deutschland und das nackte Elend in Entwicklungsländern…


….haben Sie über diese Stufen jemals nachgedacht?


Sondern es gibt ja auch die körperlich Benachteiligten und die Gesunden. Es gibt also Gelähmte, blinde Menschen, die mit Recht fragen dürfen "Warum gerade ich". Es gibt die schwer chronisch Kranken (durchaus Asthma, aber eben MS, Krebs usw.) und uns mittelmäßig Gesunde.

Will sagen: Menschen sind nicht gleich. Gleichheit ist ein schöner, in meinen Augen gefährlicher Traum, der da weltweit gepredigt wird. Gefährlich deshalb, weil Sie dann eben geneigt sind, gefährliche Fragen zu stellen, sich gekränkt fühlen, benachteiligt fühlen und verzweifeln.

Man könnte auch ganz anders denken, predigen und handeln. Hab ich kürzlich versucht, Ihnen mit dem Beispiel der Lavawüsten auf Hawaii klar zu machen.


Hatten Sie wirklich gewusst, dass dort Blinde, Lahme, Einbeinige, auch Nullbeinige diesen außerordentlichen Wettkampf…. bestehen?


Die fragen nicht „Warum gerade ich?“, die verzweifeln eben gerade nicht, die versinken nicht in Selbstmitleid und schlussendlich Depression…. was ihnen nicht nur nicht nützen, sondern schaden würde. Sondern die verwenden die Technik der „neuen Stufe“ (News vom 30.01.2019), akzeptieren ihr Leid als neue Normalität und fangen an zu arbeiten, zu kämpfen, zu TUN.


Wenn Sie vergleichen würden: ein Leben in Resignation mit dem sehr anstrengenden Leben im TUN also z.B. im Rollstuhl einen Marathon zu "laufen" - was macht die Seele ein bisschen fröhlicher?

Sehen Sie, drum mag ich Gutmenschen nicht, die unser Denken so gerne lähmen, uns um die Möglichkeit der "neuen Stufe", der außergewöhnlichen Anstrengung bringen.


Schreibt mir so ein benachteiligter Mensch nach dem Artikel über die Lavawüsten (News vom 31.01.2019). Lesen Sie einfach mit, nicken Sie bedächtig mit dem Kopf, murmeln Sie „schau, schau!“… und gucken Sie sich dann das Foto an.

Sie lesen "blind". Und denken: traurig.

Sie haben falsch gedacht. Da steht ein fröhlicher Mensch. Freudestrahlend. Begeistert. Stolz. "Ich hab's geschafft". Ein Mensch, der sich gegen den Zeitgeist stellt.


Deswegen hatte ich mich geweigert, auf Reha zu gehen. Wochenlang umgeben von anderen Krüppeln wie ich einer war. Tut der Seele einfach nicht gut.

Deshalb umgibt sich die abgebildete Dame nicht mit anderen Blinden und erzählt, was sie alles vermisst. Die schuftet lieber. Und strahlt.


Dann mal los mit der mail als Antwort auf die Lavawüsten:


"Danke für die wunderschöne News heute! Ich habe mich darin wiedergefunden und ein bisschen geweint, weil ich ein ganz ähnliches Erlebnis hatte.

2015 war ich bei Ihnen in der Praxis, wegen meiner beidseitigen Sehnerventzündung. Blind bin ich zwar noch immer, aber meine Hartnäckigkeit und Ausdauer zahlt sich langsam aus. Meine Sehnerven kämpfen und ich auch. Das habe ich Ihnen zu verdanken!

Letztes Jahr bin ich blind auf den höchsten Berg Skandinaviens gestiegen und hatte Ihnen mein Siegerfoto geschickt. Für dieses Jahr habe ich mir meinen ersten Halbmarathon auf Achill Island (Irland) vorgenommen. Hand in Hand möchte ich ihn mit meinem Mann laufen. Das OK des Veranstalters haben wir schon."


Soweit der Text. Zwar beeindruckend, aber ... die Message steckt in dem Foto.

Heißt für Sie: Hören Sie auf zu jammern, weil Ihnen das Knie weh tut. Oder die Migräne. Oder Ihr Asthma. Glück liegt im TUN.