Weshalb ich laufe

25.07.2014
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Zunächst war es nur eine Ahnung. Immer dann, wenn ich Kindern zugesehen habe. Ich meine: wirklich zugesehen. Hingeguckt. Versucht habe, zu begreifen, was da soeben vor sich geht:

Das Absolute. Das völlig Eingehüllte. Das Abgetrennte von unserer, der Erwachsenenwelt. Kinder leben in einem völlig eigenen Kokon, in einer eigenen Welt. Wenn die den Baum sehen, sehen sie etwas völlig Anderes als ich. Sehen sie nicht etwas Kaltes, Hartes, Lebloses, Sachliches, kein Objekt, sondern ein lebendiges Subjekt. Teil einer eigenen, magischen Welt.

Magie beschreibt wohl am besten das Denken der Kinder. Und jedesmal, wenn ich Kinder betrachte, weiß ich: die leben. Ich hab das alles vergessen. Bin erwachsen geworden, bin verknöchert, habe Sorgen, habe weit gespannte Gedanken.

Ein Kind denkt nicht über Indien nach oder über Thailand. Ein Kind lebt hier.

Wunderschön ausgedrückt von einem ganz besonderen Läufer, von Marc Rowlands:

„Jedes Kind weiß, was wichtig ist im Leben, auch wenn kein Kind weiß, dass es das weiß. Kinder wissen es auf eine Weise, die dem Erwachsenen große Schwierigkeiten bereitet und von ihm ganz neu gelernt werden muss.

Früher einmal wusste ich, was Wert hat. Ich wusste es in meinem Körper, nicht in meinem Kopf, und deshalb wusste ich nicht, dass ich es wusste. Das Laufen bringt mich wieder in Verbindung mit einer bestimmten Art von Wert, die dem Erwachsenen leicht abhanden kommt.

Laufen ist eine Art des Erinnerns: der Körper erinnert sich, wie es der Verstand nicht kann.“

Genau das ist es. Laufen bringt mich, soll mich zurückbringen in diese magische, andere Welt. Als ein Baum noch eine Eintrittspforte sein konnte in...etwas Geheimnisvolles dahinter. In der Erwachsene, also Mitmenschen nur Schnattertanten waren. Sprechautomaten. Sinnleeres von sich gaben. Jedes gleichaltrige Kind aber „richtig“ kommunizierte. In einer anderen Sprache. In der Alpha-Sprache.

Laufen bringt mich – ein bisschen – zurück. Laufen öffnet mir wieder das Türchen...zum kleinen, eigenen Paradies. Ach bitte!

Laufen und Hawaii sind zwei Seiten der gleichen Münze. Versteht jeder, der es gelebt hat.

 
 
 

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