Ist Winterdepression heilbar?

28.09.2012
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Schreibt mir einer von Ihnen. Ein Marathonläufer. Also ein wacher Mensch, der soeben an dieser Stelle über Prozac, das Wundermittel gelesen hat.

Und der früher einmal regelmäßig "seine Weihnachtsdepression" bekam. Hatte auch mit beruflichen Enttäuschungen zu tun.

Der hat sein Leid einem Arzt geklagt. Und was glauben Sie, was jetzt passiert: Ein Reflex. Der Arzt riet zu Prozac. Weiter der Marathonläufer: "Nur drei Tage habe ich diesen Mist genommen und dann in den Mülleimer geworfen." Es traten also wieder einmal prompt die Nebenwirkungen, leider nicht die Wirkungen ein. Sehen Sie, über diese Wahrheit berichten die Pharmafirmen eher spärlich. Und erfahren Sie auch fast nichts, weil Menschen so wie dieser Marathonläufer das eben nicht publik machen. Sondern resignieren. Und das gilt für sehr, sehr viele andere Medikamente auch.

Nun war das kein einfacher Mensch, sondern ein Läufer. Wach. Ein Mensch, der sein Gehirn täglich mit 100 Prozent mehr Sauerstoff durchflutete (laut Hollmann). Der hat über das Wort "Winter" nachgedacht. Über Beleuchtung und Lichtqualität, und hat in seinem Büro die übliche Neonröhre ersetzt durch Leuchtkörper mit "einer dem Sonnenlicht gleichenden Lichtfarbe".

Jedenfalls hat er "niemals wieder einer Winterdepression bekommen". Quod erat demonstrandum.

Ich kann leider nicht anders. Deshalb meine Frage: Weshalb weiß der Arzt das nicht? Weshalb glauben wir Ärzte grundsätzlich an die Pharmaindustrie und (fast nie) an die Natur? Haben Rehe Winterdepressionen? Wohl eher weniger.

Der biochemische Hintergrund ist Ihnen klar: Sonnenlicht stimuliert Serotonin, das typische Antidepressivum in Ihrem Gehirn. Dunkelheit, trübes Wetter verwandelt das Serotonin zu Melatonin, dem Schlafhormon. Sie werden nicht gleich einschlafen, aber den relativen Serotoninmangel als Winterdepression fühlen.

Jede Heilung ist Selbstheilung. Eine tiefe Wahrheit.

 

 

 

 

 

 
 
 

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