Wissen

14.01.2015
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Sie wissen nur, was Sie persönlich erlebt haben. Alles andere ist angelesen. Ist im Grund Glauben. Deswegen mag ich die Tour de France-Kommentare auf Euro Sport so sehr: Es kommentieren auch ehemalige Profis. Die wissen. Die haben das alles am eigenen Leibe erlebt.

Einen für den Laien, für den Unwissenden, höchst erstaunlichen Kommentar haben Sie kürzlich auf HR3 gehört. Sonntag morgens 3 Uhr. Der Ironman Hawaii live. Kommentiert auch von Thomas Hellriegel. Ein Wissender.

  • Unvergesslich, wie Hellriegel 1995 Zweiter wurde. Auf Hawaii. Auf den letzten Kilometern doch noch eingeholt von Mark Allen.
  • Unvergessen, wie Hellriegel 1996 Zweiter wurde. Beim Ironman Hawaii. Geschlagen von Luc van Lierde, dem Schillernden. Da gibt`s Stories...
  • Unvergessen, wie Hellriegel 1997 Erster wurde. Erster deutscher Weltmeister beim Ironman Hawaii. Nachdem er den Zweiten, Jürgen Zäck an der 10%-Steigung stehen gelassen hatte. Ich war dabei.

Hellriegel also weiß. Der hat`s persönlich erlebt. Und diesmal, dieses Jahr ging es um Kienle. Den vierten deutschen Ironmansieger. Der soeben auch in Frankfurt gewonnen hatte. Auch so ein Mann mit Eiger-Nordwand-Blick, mit dem kühnen Kinn eines Bergbauern.

Kienle also lag 8 Minuten vorne. Praktisch uneinholbar. Wenn man nicht das Gegenteil schon so oft erlebt hätte. Kienle 4 Kilometer vor dem Ziel. Großaufnahme Gesicht. Zu. Verschlossen. Eine Maske. Ganz woanders.

Kommentar Hellriegel so überraschend klar: klein. Der fühlt sich jetzt winzig klein. Nur Zweifel. Der weiß, der fühlt, dass er es nicht schaffen kann. Die letzten paar Kilometer.

Wir, die Zuschauer, ganz anders: der hat`s doch schon in der Tasche. Da kann nichts mehr passieren. Noch wenige Kilometer, 8 Minuten Vorsprung: der könnte ja auf allen Vieren krauchen.

Stimmt nicht. Hellriegel weiß so etwas. Auch Kriechen ist hier keine Garantie. Man fühlt innerlich, dass man den nächsten Schritt einfach nicht mehr schaffen kann. Geht nicht. So etwas weiß der Mensch.

Will sagen: Hellriegel kommentierte wahr. Hab ich so noch von niemandem gehört. Diese Wahrheit kenne ich persönlich. Dieses absolute Unvermögen, gedankliche und körperliche Unvermögen, die letzten zwei Kilometer noch zu schaffen.

Und dennoch ins Ziel zu kommen. Lesen Sie doch einfach noch einmal Klaus Haetzel: „Über das Unmögliche“ News vom 26.10.14.

 
 
 

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