Work-Life-Balance

31.08.2010
Drucken
 

In gewissen Seminar-Kreisen ein fast heiliger Begriff. Die so diffizile Aufgabe, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Arbeit und dem Leben. Klingt anspruchsvoll.

Bis man einmal nachdenkt. Das hat getan Prof. Thomä, Uni St. Gallen. Der nennt "Work-Life-Balance" ein Armutszeugnis. Oh!

"Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine unglaublich traurige Annahme, nämlich die, dass man eben nicht lebt, wenn man arbeitet. Die Arbeit hat dann ihren Sinn und Zweck allein in dem Scheck, den man für sie bekommt. Das ist ein Armutszeugnis".

Aua. Trifft mich genau wie viele von Ihnen voll. Da fängt man an, nachzudenken. Bei mir hat's gestimmt in meiner Zeit an der Uni. Stimmt heute zum Glück nicht mehr. Wissen Sie, was daran so wichtig ist?

Work-Life-Balance ist nämlich ein Glaubenssatz. So eine zutiefst innere Überzeugung. So ein Programm in Ihrem Unterbewusstsein. Arbeit sei, so sind viele von uns programmiert, etwas Scheußliches. Muss sein. Da müssen wir durch. Und mit dem Feierabend fängt das Leben an. Erst das Wochenende mit der Familie zähle wirklich.

Denken Sie über diese Zweiteilung bitte einmal nach. Vielleicht hat Prof. Thomä mit seinem Armutszeugnis ja recht. Vielleicht sollten Sie Ihren Glaubenssatz einmal überdenken.

Prof. Thomä weiß noch mehr. Er hat nachgedacht auch über das Wort "Doppelbelastung". Wie folgt:

"Warum zum Beispiel sprechen wir beim Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie von einer "Doppelbelastung"? Wir benutzen dieses Wort, ohne zu merken, dass wir damit eine schiefe Lesart unseres Lebens propagieren. Warum sprechen wir nicht von "Doppelerfüllung"?"

Eine schiefe Lesart unseres Lebens. In meiner Sprache Glaubenssatz. Ein schiefer. Einer, der unser Leben bestimmt und es zerstört. Wir sind "doppelbelastet". Man stöhnt ja bereits, wenn man das Wort ausspricht. Und das soll Leben sein?

Wenn Sie glauben, Doppelbelastung sei schließlich ein Fakt, so täuschen Sie sich. Es gibt keine Wirklichkeit. Es gibt nur Ihre Sicht von der Wirklichkeit. Es gibt nur Ihre Glaubenssätze. Und die freilich - gefährlich, gefährlich! - sind immer wahr. Werden wahr. Setzen sich durch.

Eine Änderung Ihres Lebens beginnt immer mit einer Änderung eines Glaubenssatzes.

 
 
 

News Schlagwörter