Zucker im Blut

16.09.2019 | Strunz
 

Zwar ist es richtig, dass aggressive Krebszellen 31 x mehr Zucker verbrauchen als eine normale Körperzelle, dass aggressive Krebszellen extrem auf die Zuckerzufuhr angewiesen sind, dass wir deswegen allen Krebspatienten raten, auf Zucker und schnelle Kohlenhydrate zu verzichten….. aber genauso richtig ist die Tatsache, dass sie den Zuckergehalt im Blut aber nie und nimmer auf Null senken können. Dann nämlich wären Sie tot.

Tatsächlich reguliert der Körper auch dann, wenn Sie keine Kohlenhydrate, keinen Zucker essen, sich ein auf einen minimalen Blutzuckerspiegel, so etwa 70-110 mg/%. Nennt man Nüchtern-Blutzucker.

Wenn Zucker nicht gegessen wird, stellt der Körper ihn einfach selbst her. Ein tiefes Geheimnis, wenig verstanden. Dahinter steckt die biochemische Tatsache:


Der Mensch muss Null Gramm Kohlenhydrate essen. Sein ganzes Leben.
Der Körper stellt sich das notwendige Minimum nämlich selbst her. Aus Aminosäuren.


Nach dieser Vorrede gucken Sie doch bitte mal auf die beigefügten Kurven. Nämlich auf die grüne ganz rechts, die untere. Beschriftet mit


GLUKONEOGENESE


Zeigt Ihnen, was passiert, wenn Sie in die Ketose gehen. Wenn Sie auf Kohlenhydrate praktisch völlig verzichten. Glukoneogenese heißt, dass der Körper eben Zucker selbst erzeugt. Wie oben beschrieben. Der entscheidende Punkt:


WIE VIEL ?


Ablesen können wir etwa 4 g pro Stunde. Die werden unablässig verbraucht (von roten Blutkörperchen, vom Nervensystem).

Und jetzt vergleichen wir am linken Bildrand den oberen Punkt: nach dem Essen verbrauchen wir 40g pro Stunde Zucker. Also 10x so viel. Genau auf diesen Punkt wollte ich hinaus: Unter Ketose ist Ihr Dauer-Zucker-Verbrauch nur 10% vom Zuckerverbrauch nach dem Essen.

Mit diesen 10% muss die Krebszelle auskommen. Sich durchschlagen. Während sie sich nach jedem Essen freut über die reichliche Zuckerzufuhr, darbt sie in der Ketose.

Können Sie sich das bildlich vorstellen? Wie sie vor sich hindämmert, hungert, immer dürrer wird, leise vor sich hinjammert…..? heißt in meiner Sprache: Sie wird angreifbar.

Jetzt verstehen Sie, weshalb Prof. Longo (News vom 01.01.2015, News vom 19.06.2019) zeigen konnte, dass in diesem Hungerzustand die Krebszelle plötzlich empfindlich wird, viel besser reagiert auf Chemotherapie.

Und selbstverständlich auch auf jede andere Maßnahme wie z.B. vermehrte Vitaminzufuhr (Vit C Infusion) etc.

ALSO: Sie können eine aggressive Krebszelle in Ketose nicht aushungern. Sie wird irgendwie überleben. Ist aber angeschlagen, ist geschwächt. Und kann jetzt mit zusätzlichen Maßnahmen ….besiegt werden. Den Beweis erleben wir ja hier in der Praxis



Quelle: OM & Ernährung 2019/ Nr. 167, S. 24